Gerta Pfeffer collection, memoir

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Gerta Pfeffer collection, memoir

Material Information

Title:
Gerta Pfeffer collection, memoir
Creator:
Pfeffer, Gerta
Place of Publication:
Tampa, Florida
Publisher:
University of South Florida
Language:
German

Subjects

Subjects / Keywords:
Jews -- Germany ( lcsh )
World War, 1939-1945 -- Personal narratives, Jewish ( lcsh )
Ethnic relations -- Germany ( lcsh )

Record Information

Source Institution:
University Of South Florida
Holding Location:
University Of South Florida
Rights Management:
All applicable rights reserved by the source institution and holding location.
Resource Identifier:
029204383 ( ALEPH )
909280535 ( OCLC )
P32-00001 ( USF DOI )
p32.1 ( USF Handle )

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/ "' -IInhaltsverzeichnis . r J. runz I 1 1 V ( )rb:.., i :rk1U1g N JCi n d ,_e 1 t un.d i t l V :;..rfung der poli t if:-ic hen Lage 41 Uein neue r Wirkungskreis . . . ... 5 De r Re eh, tagabrt:>.ild... 7 Der Umsturz in ler e-..ddeutaohen Kleins tod t...... l l Das 1/'.3rh lten der . n11o:hner...... 1 2 < i ik er .. 14 luzi s o o o n einer J Adin feindlich gesinnt zu sein 15 Neuerliohe Verha.f tun g meine s Freun dea .. 1 6 enschen iu der Gas wirtscha:.ft 1 7 J.m FT.os-p i tal 19 Zu.t' .... c k i n de f U ciust8.dt 19 Mit te.gs aus in der ties taura tion 2 1 D i ach arzen Uniforir1en 2 5 E ine deutsche nilie ... . 26 ju ... 19 G nerat.i.on t 7 Dns Cafe 23 D e T}.'.,: n t L:"ll' 3 .Neu d ut. ehe .ochzeit 3 1 .t. ..... L ef.it Un t t rhe.l t Uil... Il. 31 U 1 Meieter 32 A nsicht n 3 ine "'fidc hens vo1rl J.and. 34 Deutsch e Feste . 35 3 5 tholi s c '"'..J.e ise. 36 ; i :d-ttnt_:: cn de is ' a t :na.e r s" ::Jt) D r 'in..'llarsch nnch es terreic h 37 fo a l doo D1it n Heiches 38 er iordfa l l Frankf'ur er 39 ici n Geburtctug l.?38 . lill.ndigung ; 4 1 l.l; tour i.:: E l tr::rn:r.tnu" 43 Hi tler' s e h e .1uhlcn 4o D 1 lciuer1 d 1 Deut c hnn. 46 lf o r is ehe Tri cko. 49 !in . . . . . . . . . . . . . 4 9

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-!X-Austreibung aus Deutschlend 50 D uteche 59 Ein autriohtiger Deutscher 6 1

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Er kl.IUl'lg J)ie ahrenwrtlieh. dass sie ilU"e E rlebnieae nur we.hrhei tage heu nie d e ree$.Oh\"iel#en hat.

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-IV-Vorber; cr.kun Dia Veri'a f;erin nat nit-i li t ri.irioch ottig J)ieae.r io t der ';c ve.L chi L1re &r eb i s:, und 1n D tnotilc.11d 0 Eaei1 zur Dara tel une; zu brin;en. Der Verfe.sacrj.n sind i.e t'a und lTotizen a daoo (.jie J.:eine lire:'<:ten te bringen konnte, aondel"n o ich d;1ro.ui b a hr.:lnken muflB t.e 1 1.hro ""1iebnisee aus 1.un nach b o tem. li. een und Chrwieaen Z U l" Daro tallung zu h L .; ,n.

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-1und Sc hulzeit. In einer Industriestadt Mitteldeutschlands, in Chemnitzf 1ein Vate r war Kaufmann in der Strum pfbrau ehe, die in d eser G e gend zu Ilallse ist, Ai t mein e m sechsten Lebensjahr, ich in ein Dort ware n Maedchen aus meist buergerlichen Kreisen, Vereinzelte aus A.cbeiterhaeusern und mit mir n oc h zwei Juedinnen. Ich wusste da' als noch wenig vo n den Unterschieden die zwischen el1gionen gemacht wurden doch sollte ich das bald erfahren Die Leh er waren meist national gesinnte Deutsche, einige wenige waren Dem o kraten. Der Unterrich t b e i den letzteren war ein weit wen i 3 e b1e ;renz ter und i nsofern viel al Cl sich das verhaeltnis zwischen Le und Schler freundschaftlich gestaltete-., Methode .der deutschnational war engstirnig und kein neuer edanke durfte h i n z uk ommen. Da galt eben nur, was seit langer Zeit i n BUohern festgeleg t war, und was stand darin? Dass Deutschland, Deuts hland alles in der Welt sei, Dass der Deutsche d ,er Tchtig ste, der Sa berste und der Grossartigste sei und :t':r die ganze Welt. Und alle anderen ationen stehen auf einer Stufe. Dies lehr ten die einen und andere hatten eine Art sich ber Deutschland lusti g JU as aber absolut nic_ht. s mit befreiendem Humor zu tun hatte. D e r '" an e'.:. an Humor machte sie einsei tig und selbst g e genber. kritiklos. 1 Die G lossierungen ber Deut schland ware fa_st. r.Und erwectig :ei komplexe Auf der einen Seite sich nur i m G lorienschein seh end au:f der anderen Seite sich derart ber cl'Irakteristisch Eigenes lustig o a chc .md und zu allem anderen aufschauend, i n beiden dieser Arten war ein ,rober W ldersinn, etwas Krankes. In diosem widersprechenden Geiste . wur den Aufstze geschrieben, Geshichte gelehrt und gehalten. Die Deutscben sind nicht wahrhaft nat.ional gesinnt in ihrer Nich t ac'1tung andnrer Nation.e1 0 i::1 l ).') "'i.y.# r Art der c...Ein Volk vollr?r

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2 -Ein Lehrer qu te mich meines jdischen Glaubens. Ich war eine der s chlechtesten Sch4.lerid. 1sse Oberflc llichkei tYund \.am nach Chemnitz zurck mit einem neuen_ lick und neuer Einstellung fr Deutschland. Leider kann ich nur den dieser Zeit wiedergeben und nicht Gesprche, an ich mich nicht e:rin e.rn kann, In der Webschule meiner Geburtsstact lernte ich den aterzeic h nerberuf. loh war die einzige Jdin Abteilung und beobachtete meine Um.;ebLm in Inder, der diese Schule besuchte, f'iihl te sich sehr ei11sam und schloss sich ''lir an. Ich lieos mir von ih"n erzhlen, wie dieses Deutschland von 1931 auf ihn wirke. Und ich erschrack fast, als ich erfuhr, sehr er hier litt .Kinder auf der Strasse riefen i.h"' nach wegen seiner dunkle_ Haut.farbe. In der dohule nah n an ilu-1 nicht ernst. Man kam ihm absolut nicht ent/egen. Ich brachte ih1 die deutsche SJ.,rache bei, ich half ih.."1 so gut ich o te weil ic}}. 1 1 t ihrr fhlte.

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-3 -Er war ein intelligenter Mensch, der in Kalkutta studiert hatte und er erzhlte r vo n der elt Tagores. Er sprach t mir ber die deutsche Frau und wie sehr er diese verachte, dacs es doch keine anstndige Frau gbe, alles wre kufliche are. r blieb Fremder Deutsc.lland gegenber Etwas besser schien er sich in Berlin zu fhlen, wo er in der enge unterging. Die deutschen Kollegen in der !extilschule waren meistens in Stu dentenverbindungen. Dor t fanden sie fast nur Sinn i n Saufereien und rlebnissen mit Mdchen und fhlten sich mit groosem Dnkel als ehrbare Deutsche. Irgend einer nationalen Verbindung gehrten sie an und es ab ehr wenige, selbst nicht unter den J.' gsten, die nicht einer politischen Organisation angeschlossen waren. Ich-war darns m i t einer P orentochter befreundet, einer Sehul k -eradin. ir vertsanden uns gut, das Lernen unseres schnen Berufes verband uns und wir hatten gemeinsar r c in Kunst, Literatur, usik. ir diskutierten die verschiedensten Fragen und ich beobachtete die Anschauun en eines Jiens chen, der sehr vern :nftig htte sein knnen wenn 2 r nicht im Rah icn einer eng bec,renz ten Familie auf gewachsen wre. Ich kam in ihr Heim und lernte ihre Eltern ken(1en, die khl und haltend zu mir waren. ines Tages erzhlte sie mir, dass sie den besten Redner Deutschlands gehrt habe. Die prach e dieses [ansehen re ein fach gewesen Was er ber die Juden gesag t habe, wre zwar nicht richtig gewesen aber umsomehr alles andere. Als ich nacb dea des Redners sagte sie mir: Dr Joseph Gbbels. Ich hatte bis
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-4Un ternehmungen nicht mehr gewachsen und der Verarm ung nahe. Aber ein grosser Teil der Bevlkerung war g e gen diese neu e Str mu,ng. Sozialisten, Demokraten, Deutschnationaleptemmten sich dagegen und n en die neue Hitlerbewegung nicht ernst. man machte sich lu.tig und sie bersahen die grosse Gefahr dieser mchtig wachsenden Partei. waren d iese Parteien seh r aktiv in der iropaganda und machten keine unsinnigen Versprechungen, die sie nicht halten konnten. Aber das Volk lies s sich von den Nazis blenden. Verschrfung der politischen Lage. Es sc'.'ien berhaup t keinelA.Jolitischen Menschen mehr zu geben. Hrte m an den Ges prchen auf der Strasse zu, so waren es 1 mer wieder dieselben politisch e n Auseinandersetzungen. Ich strubte mich gegen jede Ich ging in die Volkshochschulen, hrte Vorlesungen ber Literatur, Philosophie; Pdagogik, Psychologie, und Malerei. Ich kam eo in Kontakt mit intelligenten Br ger-und Arbeiterkreisea. Die enigsten vo n dies&n aren Nationalsozialisten Es lies o mir keine Ruhe. Immer wieder traten Fragen an mich heran. Ich suchte Aufklrung und k am in politisch e Kreise. Dort hrte ich Vor trg e und Kurse und es w urde frei ber alle Fragen diskutiert. s war seh r interessant. Und diese Manschen, die ich dort traf, sind selbst h e ute noch keine Nazis g ewor den. Die, politische Lag e s pitzte sich immer neh r zu. an hrte von Schlgereien bei Versammlmngen auf der Strasse und brutal und r cksichtslos gingen die neuen, braunen Uniformen ihren e g Es k men Lieder auf', die hnlich den sozialistischen Freiheitsliedern klangen. Viele, die nur einer Partei waren, die weder geschult war e n noch objektiv beurteilen k o nten, wurden von dieser neuen Bewegung mit erissen, sahen nicht einen w esentlichen Unterschied zwisehe der Partei, der sie angeh rt hatte n und der neuen. Sie sahen nur die neuen Uniformen und das forsche Auftreten dieser. Ich frchtete mich, ob7ohl noch wenig Grund vorhanden war. Ich hatte Antisemitismus noch nicht so fhlen mssen. Ich hatte meine usterzeichnerausbildung und bekam ein e Auszeichnung. Nun suchte bee1-1cte-+

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5 -ich kram fhaft nach ei er tellung und fand diese nach einigen !.fona ten in bschiedsnehmend von meinem geoeaen ahnte ich damals noch nicht, dass es von Manchen ein Abschied auf lange Zeit sein rde. Besonders schwer fiel es mir, von einem Lehrer Abschied zu nehmen der auch Stadtverordneter war und mit dem ich mich oft auss;rach. aein neuer Es 1ar l Jannuar 1933, als ich aus zwei agons bestand und ich an _ein Stadt vo n 2000 Einwohne r n irkungkreis in Z ug umstieg, der nur Ziel kam, in eine kleine s.d. Ich mietete ich in eine Gastwirtschaft ein, in d i e grsste des 3 tdtchens. Ich 'ass im Restaurant und interessant waren die Stammtischgesprche, die man da zu hren b kam. Da war ein wunderlicher Alter, ein Bauer, der in einem benachbarten Dorfe lebte. Br trank ein paar Glas Bier und sprach in seiner schverfllige. eise. Natrlich ber Politik. E r sprach von Hitler wie vo n e'nem Gott. Es die Rede auf den Brgermeister des Ortes, der ei1or der enigen Katholiken in dieser protestantischen Stadt war und der Bauer schimpfte, dass der Ort einen katholischen Brgermeister habe. ir gruselte, 1as an erst sa gen, wenn man w:.;'..sste, dass ich dio einzige Jdin des Ortes ar. Die Jnglinge aus bli.rgerlichen Kreisen suchten Erlebnisse mi t :nir, i c h ab e r wich i hnen aus. Ich ka auch i t Arbeiter i Kontalc t Bei ihnen herrschte ein anderer Geist. Man nahm mi c h in ihre Mitte auf, wenn auch noch ein wenig neugierig und staunend darber, dass gestellte sic h unter Arboiterx mische. Am Land sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Schichten der 1ev c5lkerung viel krasser. Aber bald geh;jrte ich z u ihnen mit wohltuender Selbstverstndlichkeit. Aber die anderen Kreise nahnen mir das sehr bel und man berlegte hin und her, dass doch da et,:.ras nicht stimi.en vrde, weil ich mich so von der anderen Gesellschaft abschliesse. Langsam sickerte es durc dass ich Jdin bin und da war ich d a nn allen iderwrtigkeiten ausgesetzt, die man sich nur vorotellen kann 'inder riefen m i r in

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-6-Reimen Sprche ber die Nas .enform der Juden und hnliches nach und die meisten zeigten deutlich ihre Einstellung, die gegen mich gerichtet war. Das war ein scir erer Kampf fr mich, gegen stupide Vorurteile an . zuk:npf en und zum erysen !!ale ganz auf mich allein angewiesen in der Fremde. Und noch dazu die vielen Eindrcke in de m Betriebe der Firma, bei der ich angestellt war! Mei n e Arbeit der Far'en und Fo r men machte mir viel Freude. Ich k i n ailen Abt eilungen der Fabrik herum Ich musterte die Garne ab, hatte dadurch mit der Frberei tun. Lehrlinge, dchen und Buben, ,halfen mir dabei. Dann die Zettelei, Spulerei, der ebsaal mit den bathlen, die Ausnherei, die Appretur und schl1esslich i m Bro die v&.rschiedenen Abteilungen. Chef, der lngere Zeit in U S A. gewesen war war ein 1 sympathische: deutschnationaler Gesinnung. Er ar iULmer sehr zuvo r k ommend z u mir u n d ebenso ein Teil meiner Arbeitskolle en, die im er mehr Zutrauen zu mir Und es k m immer fter vor, ein.er sich von mir ein Buch auslieh oder seinen Kummer mit mir it dem intelligentesten Burschen des Or tes befreundete ich mich an-Durph ihn kam ich in die verschiedensten Huser des Ortes. Natrlich rul"de berall politisiert und ich staunte, wie sich diese Leute alle gegen den Nationalsozii.aismus wandten. berhaup t ist dieeersClddf.u.bche Volksst mm nicht mit den Sachs n zu vergleichen. Diese Sddeutschen haben einen :esunden Humor, eine herrliche Kritik; varen schwer.f llig, dabei wunderbar aufrichtig und gutm tig und fest in ihren oinmal.ge a sten Ansichten. EinnTag vor Hitlers [achtergreifung fuhr ich mit meinem Freund, der Sozialdemokrat war, nach K., o er eine Rede halten sollte. Am waren wir in einer Arbeiterwirtschaft. Da wurde e rt dass schon ieder einmal e iner ihrer Leute unschul dig von azis Jberfallen worde n war Dieser berfall war ein e oche vorher auf meine r Freund erfolgt1als er nach einer Propagandarede mit seinem otorrad nach Hause fahren wollte. Er wurde heimt ckisch und feige von 10 Nazis berfallen_ ir freuten uns, wie sehr sich diese \ \

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7 -jungen Burschen in der Gast irtschaft ber dieses Unrecht emprten D i e Rede, die mein Freund am Abend hielt, brachte ein klares B ild der Lage war treissen ehalten und ich beobachtete die grosse die anwesend w ar. Fast alle aren Arbeiter, Mnner und Frauen. Fast alle waren einer einung gegen den Nationalsozialism1 a Der Reichta,sbrand und die erste Zeit danach. ie eine Bombe wirkte es, als eines Tages verkndet wurde, dass das Reichstagsgebude angezndet orden sei. Betriebsleiter sagte damals, ehe d iese roten Brandstifter an die msse an nationalsozialistisch whlen. Und so dachten i m ersten Sch:eck viele, sehr viele. ehe meinten auch, lasst H itler mal erst an die .acht kommen, dann wird an ja sehen, ob er seine Versprechungen halten ird. Selbst Demokraten und Juden waren dieser einung. Am 5 g i n en die Nazis als berlegene ahlsie0er bei der allgemeinen Reichsta swah l hervor. Acht Tage spter die Gefngnisse berfllt. D i e Nazis wurden immer bermtiger und missbrauchten immer mehr ihre acht. E inige te spter erfuhr ich, as s ich Entsetzliches in d iesen Tagen i n meine Vaterhause ereignet hatte. Die Eltern wolltenmich schonen und so kann ich die Ereign sse nur bruchstckweise wiedergeben. In Hauae o te ein azi-Bauarbeiter im ersten St9ck und meine Familie wns c h t e sich schon seit langem, diesen ann seiner Frau, einer Schneiderin ausser Haus zu tissen. Ich machte immer einen grossen Bogen u!..1 diesen ann1 weil ich ih wegen seinen Ve schungen gegen die Juden sehr frchtete. Ausserde n och eine sehr zurckgezogene, vornehme deutschnationale Oberfrstersfamilie Hause und im dritten Stock ein Postbeamter mit seiner Frau und vier Kindern. Die z e i lteren Tchter waren einmal meine Spielkameradinnen gewesen und 'ir v e r tanden uns auch jetzt noch nnz gut, obwohl sie bereits str e Nationalsozialistinnen Die .ostboamtensgattin war eine fanatisc h lazi. Trotzdem vernderte diese ausges)rochen gutmtige Frau ihr e i n -

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wandfreies Beneh en uns gegenber nicht. W i r wohnten schon 20 Jahre zusammen i m selben Haus I m Hinterhaus hatte mein Bruder ein Jugendheim der S A .P. (sozialistische Arbeiterpartei, eine linke Splittergruppe der sozialdemokratischen Partei) errichtet Dort war reges Leben, Un seren Nazi im Hause ein Dorn im Auge. Ungefhr eine oche nach der Reichstagswahl unser Haus von coa 100 s s .Leuten umzingelt. Zehn kamen mit in unsere ohnung und sagten meiner utter, wenn sie ihren Sohn fnden, sie ihn auf der Stelle erschiessen wrden Glcklicherweise war mein Bruder nicht mehr im Hause Dann wurde eine Hausdurchsu.chung vorgenommen man durchstberte alles in der grossen ohnungi. Der lchersohra.nk meines Bruders war bereits vorher ausge:rum worden. Aus dem Bcherschrank meiner Eltern, meiner SchV1ester und meinen Bcherregalen nahm man Einzelnes heraus Besonders :i.nteressierte man sich fr rot eingebundene Bcher, whrend man einen schwarz einge bunde en arx oder i m Kasten liess. D i e SS. verBaftete meinen Vater und brachte ihn in ein Haus, wo schon bekannte Judsn al;lwesend aren. Dort muss sich Entsetzliches abgespielt haben, Man zwang zwei Brderfsich so lange zu schlagen, bis sie bevrusstlos bann ussten alle Kniebeugen machen bis sie nicht mehr weiter konnten und wurden dabei geschlaen und schikaniert zum Ergtzen der umstehenden Sadisten. Dann wurden alle mit den ntigen Begleitworten wie Judenschweine und dergleichen mehr angetrieben z Abwaschen der rnde in den Strassen. Nehe demjenigen, der' die Farbe nicht ganz herunterbrachte oder nicht sehnell genug fertig war Nat.rlieh sammelten si.ch rings um Leute an, die dieses Schandspiel mit gemiochten Gefhlen entgegen nahmen. Im Gefngnis waren wohl 20 Mann in ei.nem Raum. Die Insassen durften sich stundenlang nicht bewegen, mussten stramm ste en ein "Heil Hitler Gebet" wurde mit Schlgen und ekelhaften Schwren d iesen unglcklichen Menschen be ebracht. Die meisten waren Juden, nur V er einzelte waren politische H ftlinJe. Mit meinem Vater gemeinsam i

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9 -Gefngnis, war in arscher Lehrer und Abgeordneter, den ich bereits vorhe r erwhnt hatte. Kurze Zeit darauf wurde eine zweite Hausdurchsuchung vorgenommen an war noch immer auf der Suche nach meinem Bruder. Der kam auch eines Tages ahnun gslos nac h Haus e als unser Dienst mdchen eine Arierin, sofort egschickte und ihn nicht zur Tre hineinliess. Er fuhr nach Ber lin, wechselte jede acht sein Quartier, und so entging er den Hausdurchsuchungen. Nach einigen Ta gen berschritt er die Grenze nach Belgien. Bei mei ner Schwester fanden die 3 S verschiedene Zeitungsartikel, meist ber Nazi und Spiessertum, von ihr verfasst, aber vor allem photo-aphische Aufnah men von ozialdemokratischen und Nazidemonstrationen, auch Arbeiter-inder, i n ihren Hfen s pielend, auch andere charakteri schtische Aufnahmen dieser Zeit. Die s s schob meiner Schwester die Absicht unter die Aufnahmen f r bse Zwec e, wie Spitzelei und derglei c hen, verwenden z u wo len, wenn die Nazis nicht an die Macht g eko men ilren an nah ihr den eg, brigens der einzige Diebstahl der i n unserem Hause erfolgt ist. Dann wurde meine Schvester in das selbe Gefngnis gebrach t wie mein Vater. Die Frauen amen mit Verbrecherinnen in einen Ra zusammen. Frauen wurden dort nicht geschla gen, sie konnten Bch e r lesen und Briefe schreiben,_ aber sie hrten das Schreien der gequlten Mnner. !eine utter war den ganzen Tag auf den Beinen, um Vater und aus de. Gefngnis zu befreien. Ihr zur Seite stand ein arischer Rechtsanwalt, und arische Fabrikanten, die .,jit meinern Vater jahrelang gearbeitet hatten und vor allem das polnische Konsulat, da mein Vater p o lnischer Staatsb rger war. Uns r Haus "o"" Nui'-.. wurde jede Es muss unheimlich gewesen sein fr meine tter und fr die bei uns wohnende Cousine. Als es nach einer Hausdurchsu chung aussah, veranlasste die Jostbeamtensfamilie i m dritten Stock meine zu i h en herauf zu bis die Band e wieder eg sei. lach drei' oc en Haft wurde mein Vater entlassen, ebenso meine

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Sch ester. vllig her 1 0 ein Vater war noch ochenlang krank und it den erven ter. Ich sah Aufnahmen, die der PhotograJh des olni chen von einem Vater in unserem Haus aufgenont:ien hat. Ein geschwollenes, blutiges Auge, der ganze Krper voller Striemen und geschwollene Adern, einfach grauenhaft. Unser Dienstmdchen erzhlte mi r spter, als sie den Anzug meines Vaters zur Reinigung gvschafft hatte, htte man sie gefragt, ob der -.uia dem der Anzug gehre, berfahren orden sei; da er so blutig ist. Aein Vater hatte bei seiner Enthaftung unterschreiben mosen es ihm in seiner Schutzhaft ausgezeichnet gegangen sei und ihm kein Haar gekrm 1 t wurde Ihm wurde gedroht, daas er nie andem erzhlen drfe, was er i n seiner Haft erlebt habe, anderen falls werde er dasselbe noch ein al durchmachen mosen. Unseren Hausarzt, Dr Sichel, der in der Zwischenzeit emi giert ist, beschuldigte man, Abtreibungen vorgenommen zu haben. Man schleifte ihn aus seiner ohnun0 indem man ihn bei den F1ss .n packte, die T r ep pen herunter schleifte und seinen Kopf Stufe fr Stufe anprallen liess. E r erlitt eine schwere Gehirnerschtterung und noch jetzt nach Jahren hat er ein Kopfleiden. Einem.70 jhrigen Juden zupfte man den Bart aus und es gab noch eine enge brutaler Geschehnisse. Das taten sogenannte ,;Menschen" Frauen, nnern und auch Kindern an, die ihnen niemals etwas getan hatten, aoh einigen ochen Austobens der niedrigsten Elemente des Volkes kam etwas mehr Ordnung und System in die Art der Verhaftungen. hrend vorher ohne jeden Grund jeder beliebige Nazi einen Ju den oder Andersgesinnten verhaften konnte, durfte das dann nur durch die Polizei geschehen und nicht durch irgend einen braun mierten. .. ein Fall iot erzhlenswert. Ein stadtbeka ter jdischer Rechtsanwalt, Dr. einer, der i m 'eltkrieg egen Leistungen ausgezeichnet orden 1ar, wurde eines Tages von Nazis abgeholt d ermordet. nchsten Ta e aren die Plakatsulen voll mit Plakate mit Belohnung zur Auafindung des rdero, der nat:'rlich niemals 0ef n den rrurde.

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-11-Der Umsturz in der sddeutschen Kleins.tadt. In dem sliddeutschen Ort ereignete sich der Umsturz folgende asoen. Es war da, auch ein wenig Unruhe, was denn nun kommen wrde Freund wurde Ende 1933 verhaftet, ebenso einig e Sozialdemokraten und .K;ommunisten. Der ganze Ort war aufgeregt. Die Beliebtheit meines Freundes trug dazu bei, dass die ganze Arbeiterschaft des Ortes offen in sddeutech-,r Weise fluchte und schj.mpfte. &1rend mein Freund sich noch gegen seine Verhaftung str'iubte, die i m Geb.ude der Konsumgeno ssenschaft erfolgte, da er dort als Lagerverwalter angestell t war, bat er die Nazis; mich noch einmal sehen zu drfen $ wurde i h m natrlich nicht erlaubt, die Jdin noch einmal zu sehen. 1 Er wurde gemeinsam mit einigen anderen verhaftet, die er veranlasste, abzie1end noch die Internationale zu sin en. !.tir rief ma.11 nach, dass man i hn einen Kopf krzer machen werde und dergleihen mehr. Seine Briefe entsehdigten mich fr allen Unrat. Acht Tage spter war bei 1ir Hausdurchsuchung. Ich hatte grenzenlose Angst als zwei LOlizisten in meinep. Schrnken und Koffern kramten. Sie fanden auch einen Stoss Briefe, den ioh nicht mit andren :Pin.gen fol"tgeschaf'ft hatte. Es waren vi.ele Briefe meiner Mutter und eine grosse Anzahl meines grossen Freundesund Dekanntenkreises. Ich hatte Briefe aus aller Welt und meine Freunde waren all e meh.r oder we niger gegen den Nationalsozialismus eingestellt und nahmen in ihren 3riefen Stellung gegen ihn. Die I)olizisten die B:rielB:e und einige: Photogravhien mit. Einer der Polizisten war Katholik. Als er einige Minuten mit mir allein war; sagte er mir trstend, dass ich keine Angst haben solle, aber das s er mir einen Rat geben kann, meine Stellung aufzugeben und den Ort zu verlassen, da ein e schwere Zeit f.r mich beginren wrde. Ich fhlte mich entsetilich allein und wusste nicht, ob ich Besuche machen durfte, jemandem zu schaden. Am nchsten Tage wurde ich wieder von der Polizei vorgeladen. Da lagen vor dem Beamten alle meine Briefe, teilweise rot anges trichen. Ich staunte, dass es nur Stellen aus Liebesbrief e r waren,. die den o-

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l -12 -lizis ten intere sierte .... und die er in eise glossierte. un verlangte er die Briefe meines eingesperrten Freundes, die ich meiner Tasc h e trug. Ich warf einen flehenden Blick dem katholischen, lteren l'olizisten zu. Und der sagte, dass die Briefe bereits vo n der Amtshauntmannschaft zensiert seien und ich diese nicht vorzuweisen brauche. Dann bergab er mir einen Bndel ungelesener Briefe, ofr ich ihm sehr dankbar war. Der junge Polizist h ielt mir dann einen Vortrag dass meine Freundschaft mit de n einges errten Arbeiter aufhren mse, dass ich mic h mehr i n Kreise zu begeben htte. Nach meiner tlassung musste ich mir von meinem Chef einen "Weiten Vortrag anhren, dass ich mit meine m Freunde Schluss machen msse und in anderen Kreisen z u verkehren habe. ein Chef war insofern nicht gut auf meinen Freund zu s prechen, da er ihm einmal einen Posten in seineCT B ro angeboten hatte unter der Bedingung dass er seine politisc_e Aktivitt auf.----geben 1orauf mein Freund nicht eingehen vo lte. Ich erwiderte meinem Chef, dass ein Privatleben mit meiner Berufsarbeit nichts z u tun htte und er, der ein weit gereister, grosszg iger Mensch war, sah ein, dass er 'r keine Vorschriften etreffs meines Privatlebens machen knnte. Das Verhalten der E inwohne r ir gegenber. Ich besuchte jetzt fters eine bcfre dete Arbeiterfamilie, die i m er vie er betonten, dass ich mich bei ihnen wie z u Hause fhlen n ne und so oft wie nur mglich e n msse. I c h fhlte mic h bei diesem Ehepaar seh r wohl. Dort schrPfte man viel ber die Nazis und machte sich be r sie lustig So gerne diese Leute frJh r Zeitung gelesen hatten, so las man jetzt nur s p ttisch die t glich sich wiederholenden Artikeln und 1ar v erzwe ifelt Jber die Hohlheit darin. ging ich z u r S chwester meines Freundes, einer k lassenbewussten Proletarierin mit sechs Kindern und besuchte auch mana hmal den Vater ._1ei ies Freundes, d e r i m Steinbruc h A r beiter war und ganz verzweifelt ber d i e Haft seines Sohnes var. Ich brachte i Grsse seines S o hnes, die er ihm durch mic h sandte. ei

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-13 -In diesem Arbeiterdorf wurde von fast jedem Haus ein freundliches ort zugerufen und an lud ich i n er 1ieder ein zu kommen. lich ging ich zur Bahn Noch immer kam mein Freund nicht zurck. Da bot mir ein Arbeiter aus mein e m Betrieb an, mit seineJ Motorrad nach .-. zu fah en, wo mein Freund inhaftiert war. Seine Schwester fuhr auch mit und gab mich i m Gefngnis als Verwandte aus. So sah ich meinen Freund wieder, Ich schm elte ihm Zigaretten ins Gefngnis; Bcher konnte .rnan,so viel als man ollte, ins Gefngnis schicken. Acht bange Wochen vergingen. Viele waren schon aus dem Gefngnis entlassen und endlich kam auch mein Freund heraus.Seine Entla.:;sune erfolgte am 1. a1 und auc h wurden Vorhalte gemacht, den Verkehr mi t mir abz brechen. E r wei verte sich, a m 1. Mai unter der ir beide gin ::>'en '1inaus i n d..;.e herrliche Landschaft und sprachen uns nach langer Trennung aus. I m Betrieb befreundete ich mich im er mehr mit aer Belegschaft. Da war interessante Person, der Zettelmeister, der war. Gleichmtig drehte er die Kette. Ich beobachtete ihn manchesmal von der . erae und er z u c kte immer zusammen, venn man an ihn herantrat und zu ihn sprach, so sehr ar e.r in steh ek,hrt. Eines Ta0e s s prach ich mi t ih tiber Radio. Da leuchtete sein Auge auf und er meinte: "Wis sen ie, dass es de a grsstenSegen fr uns bedeutet, wir, die wir nicht wissen, was i n der elt-geschichte vorgeht. Und er vertraute mir an, indem er betonte, dass er vor r, einer Jdin, keine u haben cauche und sich aussprechen knne, dass er jede Nacht Strassbur0 und russisc e Sende r hre. Jeden Tae stattete er mir Bericht ab, was er des Nachts erlauscht hat. Der Reichs agsbrandirozess trat in den Vordergrund. Einer munkelte eine zusa.m menge rfelte Gesellschaft von Intellektuellen soll das Reichs tagsgebude angez''.ndet haben, andere brachten iedcr die Berichte des Senders und pltzlich raren sich viele Arbeiter im Klaren darber, dass die iazis selbst den Brand gelegt htten. Da war zum ersten Mal der Glauben an die Hitlerregierung auch bei denjeni en zerstrt, die noch an die F:lhrung glaubten. Aber die meisten schwiegen aus

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14 Angat, wenige machten Bemerkungen ber Dimitroff, den die bewunderten. GbbelsSchlagworte gingen vo n Mund zu Mund. "Greuelpropaganda" war wohl eines der Schlagworte. In dem Wirtshaus, wo ich war l a c hte man sich krank ber alles,was das Weltjudentum fr Mrchen ber Deutschland in lie 1el t setze. Ich musste dem Laahen zuschauen, Nur mein Freund und die Familie, bei denen ich wohnte, vvussten solche Meldungen richtig einzuschtzen, durften aber ihre Meinun cen nicht sagen. Kritik der Arbeiter. Irn. .Betrieb ging ich von t bstu l 'zu 'ebtuhl. Whrend ich mir die s er anschaute, kam ich ins Gesprch mit allen. Da wa:r eine Sehwangere, da\. "w die s9hwere ,;laschine bedienen musste. Es tat m;lr wen l"una ich trat of1; an sie he!'an. Sie war kaum e i n Jahr lter als ich und sah wie eine alte Frau aus. Wo bleibt die versprochene Besserung der Lage der Frau und werdenden Mutter fragte sie oft. Ich besuchte sie in ihrer W ohnung In dsteren f.iumen wohnten mehrere }ersonen in einem Zimmer Ich musste un:.. willlci.irlich an die Zei tungsartil:;:el denken, d .ie rlohnungsverh l tnizse in Deutsahland und anderen Lendern schilderten, wobei natrlich D e utschland stets aJ s das J-'and m 1 t V(Jrbildlichen Wohnungen geschildert war. Ich half der aus Dankb arkel t dafr nannte sie ihr nelb.g bo:renes i.bd hen nach mir. An einer'! andren Webstuhl war ein junger Sozialdem okrat. Er bat mich et;;:i in seinem W issensdrang um awq aufk lt:ren.de Bcher. Er zog sic h v allen zurck und entd ckt e pltzlich eine Liebhaberei zum Fischen. Im Sommer, wenn ich weniger Musterzeichnungen zu machen hatte, vertrat ich den Betriebsleiter, der auf Sommerreise war Ich hatte unter anderem die Lohna brechnung zu machen und vor allem die Auszahlung der Lhne an d.ie 100 Arbeiter Ich kannte bereits l'lahezu alle und interessant war es fr mich, den Gesp r chen bei der Auszahlung zu lauschen. Der Eine murrte, dass es mehr AbzJge statt weniger werden und fluchte leise auf dil Regierung. Ein :/Idchen aus der Spulerei hatte. i m Accord etwas meh als dfe andre verdient. Sofort war Neid und Gehssigkeit unter ihren Kolleginnen da, was wohl auf deren hates Leben zurckzufhren war.

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15 -Ich sprach einmal nach der 'Jai:esarbeit mit meinem Betriebsleiter darber, dazs es doch ein Unrecht sei, dass Jan z .i3. eine kran e Bucklige mit grnem Gesicht in der stickigen Luft spulender Garne ar: bei ten la.sse. Er zuckte nur die Achseln und meinte, dass es eben auch i m Dritten R i.che Unrecht gbe. In der .:i1einung, dass er schon zu viel gesagt htte, fragte er l.!!ich oo ich nicht auch Bewunderung daf r htte dass Hitler d1tgrosse Arl)ei tslosig' ei t verringert htte. Er inte damit Heer und Arbeitsdienst. Die neue Abteilung des moderne Entwurfs fr die Mbelstoffe hatt immer mehr Erfolg Whrend ich am Anfang noch frchtete, meine liebg e won ene Arbeit noch verlassen zu mssen tat der Chef jetzt alles, U..'ll mich zu halten .3r bekam Dombenauft:r.ge aus allen Lndern, i!'l d,...-eren geschmakliche Eigenart ich mich eingelebt hatte. Nazis und Br ger vergessen einer Jdin feindlich gesinnt zu sein. Ich bekam ein eigenes Atelier dem Blick auf die Stra se. Ich arbeitete im Som er be i offenem Fenster. Erstaunt war ich als mich eine bekannte nationalsozialistische Brgerin, Ende der 30iger 3ahre alt, mich eines Tages freundlich durchs Fenster gr.sste. Und das nchste Aal blieb sie sogar s tehen und reichte mir ein paar Blumen durchs ]'enster. Ich freute mich darber, machte mir GeaanKen wie sich das nationalsozialistischen Gewissen vereinbaren lasse. Und sie lud mich sogar zu sich ein! Sie hatte eine herrliche Speise fr mich vorbereitet, wie ich sie, seitdem ich von zu Hause f'or war, nie mehr ge0e ssen hatte. Und jetzt kamen oft slche Leckerbi0sen durchs Fenster geschoben oder1schickte mir durch ihren Bruder kleine P aketehen. b r war ein stren.,;_:er Nazi und einer meiner Brokollegen. In ihrer .ohnung 0ab es Hitlerbilder in allen Variationen und ein a.l setzte ich "'lie h auf ein Kissen, auf dem ein Hi tlerportrt prangte. Trotzdem sie Iazi war schien sie mich gern zu haben. Sie erzhlte mir alle i hre kleinen Alltagssorgen und Freuden und ich war froh darber, dass man mir nicht t;ehssig begegnete, war dankbar fr jede Freundlic h

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-16-keit. Im Betrieb konnte ich mich i n keiner e ise beklagen. Mein Chef grilsste die Angestellten des M o rgens mit "Heil Hitler", whrend er mich extra mit "Guten begrsste. Diesem guten Beispiel folgten di/e anderen. Die Frhstckspause wurde irrmer bei mir ab gehalten. Da war unser Buchhalter, ein fanatischer Nazi, gemssigt durch sddeutsche Gemtitlichkeit. E r war zu gutmtig, u m mich zu krnken und so kegngte er sich mit Neckereien be r Juden und arxisten. Dann war noch ein ehe maliger Sozialdemokrat da, der sprach vo n Frh bis Abend vo n der Herr lichkeit des F hrers. Er war seit de m Umsturz ein Nervenbndel. Sche i n bar um sich selbst davon z u berzeugen sprach er andauernd von der Grs se Hitlers. Ich glaubte ihm kein Wort, schwieg aber zu allem. enn es irsend etwas g a b aussah, als0fch meinen Posten verlieren msse, wandte ich ich immer vertrauensvoll an ihn und er trstete mich trotz allem immer wieder. Bei Hitlerreden1 die i m Betrieb bertrage n wurden rnren 1111.rrer die an bereifrigsten i m Gesang des Horst e ssel-Liede s i m Handhochheben, i m Heilrufen, die einmal einer linksstehenden Partei ang e hrt hatten. Wahrscheinlich s pielte da die Angs t eine grosse Rolle. euerliche Verhaftung meines Freundes. I m Herbst 1933 war wieder eine Verhaftungswelle. Auch mein Freund wurde wieder eingesperrt und war in einer benachbarten Stadt in einer Zelle mit einem Juden, Besitzer eiDes Delikatessengeschftes. ein Freund fand diesen Gefhrten beso.c;.ders angenehm, :.reil er : t ihr. Schachspie.len und dessen Bcher lesen konnte. ein Freund v erlor wh rend seiner H Mft seine Stell e in der K onsumgenossenschaft als Lager halter, was ihn besonders schwer t af. Ich wollte i hn wiede r besuchen, er sehnte sich nach mir und bat "eh trotz allem zu k ommen. Er g ab mi c h als seine Verlobte aus. Diesmal ich die Genehmigung von einem seiner grssten Feinde einholen. Dieser war i n der Amtsha u p tmanns chaft ein hoher Beamter und mein Freund hatte ihn in Versammlun g e n oft als fanatischen Gegner. Dieser Beamte ist nach ein i gen Jahren wegen Bigamie und eibergeschichten nach Dachau geko m en. Ich tra t mit z itternden Hnden bei ihm ein, brachte mein Anlieg e n vor, welche s in ein Buch

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17 -eingetragen wurde. Ein Beamter noch, warum wir nicht heirateten. In der war das Konzentrationslager Dachau errichtet worden und der Gedanke an meinen Freund brachte mir schlaflose Nchte. ieder vergingen acht bange Wochen, bis er entlassen wurde. Etwas verndert war er, doch weiterhin brachte er kein "Heil Hitler" ber seine Lippen und steckte keine Hakenkreuz ahne zum Fenster heraus. E r wollte eh jetzt erst recht heiraten, aber ich lehnte ab. E r machte Zukunfts plne und ich bestrkte ihn darin, u m ihn Ube r den trostlosen Zustand der Arbeitslosigkeit hinwegzuhelfen. Noch iauner trafen wir uns fri.ih il.nd abends tglich und waren verliebter als je. ir fuhren ganz of en Motorrad und rasten durch die Stadtt nicht die grosse Gefahr dieses Treibens beachtend. Freund wollte aus dem Milieu seiner Schwester mit den vielen Kindern heraua. Er hatte ein ausgesprochenes nach einem harmonisch bchnen Heim ie gerne htte ich das mit ihm geteilt, doch konnte ich es nicht in dieser Zeit und in dieser Umgebun1 den Feindseligkeiten der andren ausgesetzt. Es kam aus diesem Grund auch zum Bruc h zwischen uns.-Ich lud unser Dienstmdchen aus n oinem Vaterhaus ein zu mir zu konmen, die noch nie i n ihrem Leben eine Ferien und Erholungsreise gemacht hatte. Dies Zusi'!llilensein m i lderte e i wenig meinen grossen Schmerz, den ich vor der Aussenwel t verbarg. A1Jer auch ihmt der zu einer frheren Freundin zur c kgekehrt war, schien es nicht fillders zu gehen. Nach sechs ,Jochen wollte er mich z u r ck als Fre-andin haben. Zu spt. ahrscheinlich war ein @rossteil Stolz und ein wenig Vernunft dabei, das mich dazu bewog, i n d e m Briefwechsel, der sich zwischen uns ent.:rickolte, kalt und bei;vusst wehtuend zu sein. S o zog ich fort aus de m Haus in seiner Nhe, wo micb a lles an ihn erin:-erte in eine Gastwirtschaft und fand dort die gewnschte Zerstreuung und Ablenkung. in der neuen Gastwirtschaft. Die Gastwirtschaft und Metzgerei eine m seh r n e t ten hepa a1 Die einfache Frau w a:r menschlich nd verotehend, mi Mutter i tz

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... 1auna, Naturverstand. Ebenso sympathisch !.'ar i h r Mann. Der .l teste Sohn war zwei j n ger als ich, der noch einen Bruder und eine l4jhrige Schwester hatte, die mir ausserordentlich gu t gefiel. Der lteste Sohn war aus der n chst grsseren Stadt zur c kgekehrt, wo er die Mittelschule mit dem Abitur absolviert h atte. E r war ein 11 telligenter, bildhbscher, angenehmer Bursch e und z ischen uns beiden entspann sich sofort ein grosses Gefhl Sympathie. E r var einer der s 1men Flle des unp oli "!.enschen. E r iar ganz ohne Vorurteile und mi:r tat das bei der sich immer mehr zuspitzenden Ein.stellung gegen die Juden recht o hl. Ich brachte ihm Sch achspielen bei, gab ihm philisohische Bcher, ewann ihn f r ::usik und alerei und unser Beisammensein wur d e im mer s c hner. E r var inder Konkurrenzfirm a Angestellter. Auch mein Freund flchtete i n brgerliche un politische Kreise, waa ihm die Arbeiter sehr verargten. Er kam ast tglich i n die Gastwirt schaft freundete sich mit meinem Jngling an. Eine s Tages. als ich mit IL.e en beiden Freunden zus aromeng e w osen war und diese auf Spaziergao.g waren, schrie mich ein Nazi an, q.ass er genau wsste, dass der erste Blick meines p r let rischen F reun d e s mir gelte und ich ohl schule sei, dasa aus dies e m Sozialist n noch kein geworden war. Er ;vrde schon daf r sorgen, dass d ieses Verhltnis zwischen uud Jdin ein Ende finden werde. Ich v erhielt mich d emgemss. Ich setztE mich da \l"-die usserste Eck e des Wirtshaussaales mit :neine Buch Ich -:.1ar zu jcd e n h:Jflich und freundlich, nur nicht zu meine. Freund, keinerlei Verdac t heraufzubeschNren. Ich verbrachte schlaflose Nchte ber seinen. todtraur i ..,.e n Blick. Der verliebte sich in mich. E r musste irgend einer Naziorganisation angeh0ren und so trat er i n die Fliegerschar &in, weil ihn das auo rein technischen otiven intere sierte. E r erzi;hl te mir dann immer wie weit die Bastelei des Segelflugzeuge s gediehen war. Der andere Brude r 1ar i n der Hitlerjugend und das dchen i m Trotzdem nderte sieb nich t unser gutes Verhltnis. Meine inneren onflikte, die Angot vo i manchen_ nschen und davor, was wieder eues komce n Jrde, machten mich seelisch ganz k a ,utt. ines

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-19 -Tages brach ich zus men. Ich ahnt e nicht, wie schlimm meine K r an heit ar und Kleinstadtarzt noch \Vent er, _obwohl ich entsetzliche 5ch erzen hatte. beiden Freunde kamen tglich zu mir .:,ndlich hatte _sich eine Spannune zwischen uns dreien gelst. Im selben lause wohnte eine Frau, die mtch pflegte. Sie hatte einen Trin er zuzr!i ann, der das sch er verdiente Geld seiner Frau vertrank. D ieset wunderbare Frau ) flegte mich rhrend und schlief des nachts bei mir. Im Hospital ein Chef, der damals nach Che itz geschftlich fahren musste, nB.hrq. mich im Auto mit. In derselben acht noch kam ich ins ran.:enhaus ,ind rrurde sofort vo m besten Arzt operiert. binen Tag spter e es zu spt gewesen. Dieser grossartigste Arzt hatte spter ein traischeo Scru_oksal. Er war Leiter von zwei grossen rankenhusern der Stadt,un gemein tchtig. Da stellte sich eines Tages bei der Ahnenforschung dass seine Frau eine nichtarische rossmutter hatte. wurde als Leiter der beiden grossen 'rankenhuser abgesetzt, und seine Tochte die mit einem S S .Mann verheiratet war, muoste sich scheiden lassen, \so.nst htte i _hr seine Ttigkeit als Apotheker auf.;:;eben ms3en. o /a r ein Unglck ..:.ber diese Familie hereingebrochen 1 .ein Freud kam eines Tages mit dem nac1dem er ilir fleissig ge:neinsa:n mit dem anderen riefe geschict hatte. Ein letztes al bat er mich seine Frau zu werden. Es war kna p vor d/en -,rnbcr,;>or 1eHetz-e ..._ Zurck in der Kleinstadt. Drei Monate nach meiner Operation k ehrte ich in eine Kleinstadt zurck. Dort sprach es sich SC ell heru'11, dass ic:1 rie ler d a sei. Ich /ging herzklonfend in das vaf6 des Ortes, wo die Jugend sich traf nahm ich sofort in Beschlag und schien sich allge ein zu fraucn, dass ich sei. Man tanzte mit mir urid zog mich in einen {reis junger die 11 Likr tranken. o mein Freund war, var in ler Stim-un0 und Leben Er konnte mit ,1tz und Ge t eine Gesellschaft von lO Leuten unterha ten. Ein Orts/

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-20gruppenl ter in Uniform zwang mich mit ihm zu tanzen. Am n chsten orgen bestand der nationalsozialistische Fhrer Ortes darauf, dass die Stadt endlich einmal judenrein werden und ich zu verschwinden habe. 1ein Chef gab das nicht zu. Er hielt mich weiter. Aber ich rurde immer gs tigter nach firnberger Gesetzen. eh frchtete auf den Strassen mit Beka.i.nten zu eden, aus Angst, man knnte r &rgend etwas andichten und ich knnte den Bekannten. mit dem ich aufder Strasse sprach, schaden. Ich war sehr scheu und sehr zurckhaltend. Trotzdem machte ich die Bekanntschaften. Da "'am einmal ein I1rofessor an der Jniversi tt in li. in unsre S tadt. ,J.r kamen ins das heisst ich liess H1n s rechen, 0'111e zu unterbrechen, aus Angst vor der grosoen Spitzelgefahr. Als er erfuhr, das :lch Jdin oei, nF chte er seinem Herzen Luft.Er sprach von dem Antisemitenfhxer Streicher und er \russte positiv, dass der ein schwer patholog.ischer Fall in d r Klinik der Universitt gewesen ist. Ich zitterte vor jeu.eJl neuen der in den Gasthaussaal trat, vor jede; e en Uniform, ich frchtete mich vor den Radionachrivhten und ging aus dem Raum, wenn sie dem Radio drhnten. In Uni.form waren die rvLnsohen v llig 'tier.ndert. Sie hebte i _r Selbstbewusstsein und in die er wagten cie viel zu werden, als in Zivil. l;bte mich in jeden ein. Ich im vorhinein, was dieser dachte und lenkte jedes politische Gesprch ab auv Angst, dass ber die Juden geschimpft vrurde. Froh :var ich wenn mein Freund 1 anNesend war, denn da iagte niemand ber die Juden zu schimpfen. eh hielt eo in aieiueu vier nden nicht aus und ging jede !lacht bis spt uach Mitternacht aus. Setzte eh manch a l in.s Cafe i n eine Ecke und las oder beobachtete .ueine Umgebung Ich htte oft mit getanzt u...1d die jungen Leute tanzten im er 0erne mit '"lir, c.o.ber es i x c t ... ....,J. ( Gefahx erouno.en so da ... ,s ich sc.hliesslich alle Auff Jrderu:ngen ablehn-t

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21-ittagspause i n der Res taurati on Es war ein tglicher Mittagstisch in der Restauration, vo ich wohnte. Da war ein Di p lor.ikaufmann aus Sachsen. E r auf seine Ausbildung sehr eingebildet und n icht untchtig una vmller Energie im seines Berufes. E r las mit Vorliebe Rudolf Ierzog. Tro t z dem verstand ich mich kollegial mit ihm. ,'r war in keiner Partei 1 aber nat.onal-brgerlich ein estellt. Der uslandskorrespondenz aus Hamburg, der seine letzte Stelle in S panien ausgebt hatte, war hochfahrend arrc gant, seines deutschen ertes voll be:vusst. Dies wurde besiegelt durch das grosse Hakenkreuz, das er i K no pfl,och trug. Einz:oal erzh1 te er von seinen Erlebnissen in Spanien und von einem grossen Lichtspielhaus i n 1adrid u n d wten d meinte er, l)etzt sitzen die roten Bonzen mit ih r e n drockiJen hleidern dari1 r mir echr du m und ar i r nicht Er passte nicht i n den Rahmen dieser natrlichen Athmoeph re. Ein hei11tckivcher Polizist aus einer benachbarten Kleinstadt, dessen Gesinnung man nie feststellen k o nnte, kar oft iittagstisch. Dann kamen noch ein Schneider und ein Uhr macher aus de'n Fichtelg ebirS?e Letzterer ar ein Junggeselle mit allen B gle1terecheinun3en eines einseitigen enschen, an dem sogar der Nationalsozialismus s purlos vorbei gagan6en war. Dann var noch eine jung e sympathische Lehrerin aus Nrn berg anwesend Unser ge einsames Steckenpferd ar usik. Auch verstand ich ich ganz gut mit der temperamentvollen braunen N S Krankensch: e ster, die z ar iI. 8 Frauenschaftslei terin war und sich aber doch nach brgerlicher he sehnte. Freund neckte sie manch manl und pol tisierte sogar ihr. Anwesend war auch die treudeutsche, blonde, ugi6 e tenotypist' n aus de m Frankenwald Sie war ein Jhantasieund humorloses, blutleeres, m a g e res Geschpf, weder jung noch alt, hysterisch, etl sie noch nich t i m H a end e r Ehe 0elandet mr und i f.iro dadurch unbeliebt, dass s e stets eine Stunde vor Zeit mit der begann. Sie ein treaes Ich all diese Ges talten, innerlich lustig machend. D i s vor)ien lrnber er Gesetzen hatte ich noch den rut mich auf eckfuss

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-22mi t ihneu. zu Aber s ; e verstanden meistens den H or nicht. Viel nher standen mir die Einheimischen, die wenig hatten und doch vtel gescheiter "lare n och einige 11Fremde'1 verdienen erwhnt zu werden.Vor allem ein Mdchen, die Musterzeich11eTin der Konkurrenzfirma, mit der ich i n meiner Heimatstadt die Textilschule besucht hatte und der Zufal l hatte es gewollt, dass wir uns nach Jahre/n in diesem Stdtchen wiedertrafen. Sie war in Russland geboren. Ihr Vater, ein deutscher Staatsbrger, hatte vor dem Krieg dort gearbeitet. Vo"t. Krie snusbruch kehrte er nach M itteldeutschland zur:ick. Dies str e g bxr;e:r.l:l .che lebte zurckgezogen in ihrem Zimmer dass sie sich ehr hbsch hattep Sie hasste den Nationalsozma:ismus nicht nur eil es ihre Eltern taten. Sie war intelligent, sens bel und nur in der brgerlichen Lebens im eil ternhaus. Die Zei.t der Ge,enwart :fllte sie mit Kultivieren von seelischem Schmer aus. schien es, dass es ihr unbewusst sehr gelegen k am, dass sie rrperlj.ch erkrankte, um s. eh ganz mit sich zu knnen. Das Positive irar ihr Sinn f..r Humor und wir beide waren boshaft genug, um uns re Umwelt in einen zoologischen Garten zu verwandeln, und die um .., uns Lebenden als chare.kteristische Tiere zu sehen. Ei S S.Mann, Elektrotechniker lebte auch im Haus Er war frher link s eingestellt. Als ich einmal die finstere Treppe hinauf in mein Zirn er e ien wollte, packte mich dieser und ksste mich l .eidenscht..ft lich. Als ich mich lossriss und ihn frao-te, ob er verrckt gewo1dcn sei ln.twortete er mir, dass ich ihm am besten von a len dchen gefalle. Manchmal kam auch ein Apotheker auf einen S prung ins Restaurant. Er ein wunderlicher, alter Junggeselle mit rotem Haar. Als ich mir einmal in der A potheke ein Medikament holen wollte, fing er an, mir ein godicht aufs Dritte Reich vorzutra en. Ich traute moinen Ohrea nicht. Er schwieg, als ein ande er Kunde eintrat. Kaum dieser Kunde weg setzte er sein Sjottgedicht forte Das w iederholte sich jedesmal bei meinem rscheinen. Auch anneren truer hnliches vor. Das sprach eich bald i m Orte herum _'eil man ihn fr einen Verrckten hielt, liess man ihn reden. Er 1ar iiJ/der glcklichen Lage, aeinem Herzen Luft machen zu

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-23-knnen und kluge Kritik zu ben nur weil man ihn f r verrckt Noch ein Sachse war unter den Angestellten, die i m Hause wohnten. Ein scheueslicher Fatzke, der aus Mangel an Verstand hochnasig war und es schien,, als w.rde er jedem eine Gnade antun, mit dem er sprach. Auch er war ein Parteimitglt,ed, dem die 1Uniform den nicht vorhandenen Wert 1m Menschen bertnchen sollte. Das -aren also die einen des Mittagstisches. Ich setzte mich zu den Einheimisehen, die nach dem Mittagsessen kallen ihr Glas Bier zu trinken Da viar gesundes, pulsierendes Leben. Da vrurde be r 7,eitereignisse geaprochen, diskutiert und ironisiert. Mein Freund machte mich uf auf/merksam, und las manches so eindeutig iro isch vo.r,claes ich ngstlich die Gesichter der amvesenden Gste prU.fte. Der Ausdruc k dieser ,rar meist stumpf. Die einen waren es aus Angst man knn te i hre wahre Gesinnung erken.nen die anderen, weil sie eben nicht dachten und kritiklos alles als vo n Gott g esandt dahinnahmen. Ich wollte den Jngling des Hauses, wo ich wohnte zu einer tisch klaren Linie bringen. Doch er wich mi t dem Goethezitat "Politisch Ding, eln garstig Ding" aus. Einnal machte er mir den Vorwurf\ dass i c h als Frau, mich viel zu viel mit Politik beschftige. Da 'WUrde es mir zum ereten bei.vusst, dass die Umwelt den Menschen formt. ozu sollte dieser Jngling, an den nie die Frage des tglich; n Broterwerbes herancetreten war, der ntw die Hrten des Lebenskampfes kennengelernt natte politisch denken. Bis jetzt sor[.:ten seine Eltern tr i'm und 1enn sie es nicht mehr taten, dann wrde er sicher eine reiche Eh e ein gehen, die ihm wieder ein Leben brgerlicher Ruhe geben '.\ :rde. Also wozu denken. Ich machte ihm klar, dass ich als Jdin mich 1:ni t den Dingen um mich auseinandersetzen msse dass ich hundert ,fal i m Tag daran erinnert :verde dacs es verschiedene ... assen gibt und dass es unter ihnen ein Volk fr das es auf dieser Erde keinen Flatz ge b e n sollte. dass ich aus ra sischen Grnden anders als die ande ren war, sondern dieses Ausgestossensein verpflichtete mi c h und brachte mieh zum Denken und fUhlen i t geste1gerte11 :as.:;e Einmal ging der J"lngling mi t mir in den spazieren, da vir dort

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24 sicher war n, von einem s s oder S A .Mann gesehen iu erden. E r fhrt e mich auoeine Lieblingsstell e einer lieblich harmonischen Lands chaft,so erne von a llem nationalsozialistischem Treiben, dass es eine tOhltat war. Am. Abend a r Son n :rcndfeier. .'ir feierten es auf unsere .Art ir r>tande n auf einem Berg m d s en au jedem Gipfel ein helles .i:'euer, das r..ic l vom Hac hthim e l a b1ob und d i e Landschaft ro:nantisch beleuchtete. U.1serc sch'.J 1ei tsdursti.:;en Seelen nahm e n d a uf. 7ir aren so erf..:11 t, d ass nichts :3prachen und erst am fr" en or e... nach 7ause kamen Dass mich der J ngling lieb hatte, war wohl das einzig unbequ o i n Le ben. I erhin muoste er .... ic i Vorhal tun rcn 0 seinen Eltern achcn und auch i n Betriebe arnte man ihn. Zur Ablenkung fl r t ete er ,41 t anderen ttdohen, knra b c r mer wieder zu mi:r zurc k Die t, de er jed e Unan noh.mlichk'e i t fr mic11 i m Hause beioci toschob, war vcu viel 1rukt und Ein "ihlun.:.>. Er wusste g nau, wie .vch es mir tat, en.n ic_ i m Kreise der ehr oder 1yeni..::;er nationalsozialistisch gesinn t e n L ..... t e sas s und i Rudio Beschi111 pfungen ber Juden kamon r studier te vorher d urch und stellte anstatt judenh0tzeriscnen 0d .... ::i Ocler 1111 der"St riner" ins Haus kam, wurde dieser so-fort ..rerb:i. annt. :.ein Freund scht?.te 11i .h auf ei'l'le s z andc!'e 'eise Er ging den D gen auf de n Grun E r llte b erzeugend, uf1..U.rend Yirken so weit en Geftihl zu d ill Fx und u u d r fte ich zum cn.

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Die scl:1wa zen Uniformen. inmal war ich im Kreis einer ollegen in der Gastwirtschaft. e h lachte nach langer Zeit 1iede r ein. al. Es war eine nette vtimmung und ich iibersah die Leute am Nachbartisch Amfii:i.chsten Tag bemerkt"" ich ei n e Vernderune =einer irtsleute mir gege b r as hat es gegeben? f ra,c; te ich furc htbar auf/geregt. Die Leute am Nebentisch hatten meinen irtsleuten gesagt wenn sie die Jdin noch ei mal lachen sehen wrden, sie diese auf die trasse schmeissen wrden und verwendeten viele ordinre Ausdr cke, die lirtsleute nicht wiederholen wollten, um mieh zu schonen, Die s s hatte i m selben Hause ihr BUro gemietet. lun verlangten siet dass die iirtsleute ein S c hild an die Eingangstr befestigen s ollten, dass Juden keinen Einlass i n das Gasthaus haben sollten. Mein irt das. Ich war irun die liebste q1eterin. Auch hatte ich ihm die meisten Gste aus der Fabrik zu0efhrt und auch die anderen, die zu Gasto waren, fra0ten merkwrdigerweise oft nach mir. Seitdem die s s i m Hause ihr Heim go iotet hatte, frchtete ich mich jede smal davor ins Haus z u treten und einer der schwarzen Uniformen zu begeenen, denn in ihren J usarru enk4..inften besprachen oie unter anderem, wie sie mich UJ die Ecke brin0en konnten. Ich g laube, dass es der Heizer des B e triebes wa .. der alle Hebe l gegen mich hinter moinen Rcken in Bewegung setzte und mir ins Gesicht irnr:ier freundlich war und mich anc h!!lal s ogar handgreiflich belsti,te. Ich kam oft sp t nach Hause, es war fast nie vor Mitternacht. Die ,..trassenbeleuchtungen aren u:. 1 diese Zeit schon ausgeschaltet. Ich bekam jedesmal Herzklopfen enn ich zur Tr e ke..m. Einmal stand da ein M ann mit einer brennenden Ziearette. Ich wusste nicht es war. Ich zitterte vor chrec k am ganzen Krper, meinen Namen flstern hrte und ich so !'TUsste, dazs es mein Fretind war .ranchmal traf ich ihn i m 1r s rac en sehr wenig. Trotzdem horchte ich noch lunge Zeit, ob n i emand in der Nhe war. Ich hatte An&st des nachts allein nach Hause zu gehen, weil ich stets einen reis une?'\vnschter Verehrer zu begegnen b efrchte t e Bei

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26 Tageslicht beschimpften sie m1ch als Jdi:n und des wollten s:i/ e mich kssen. eh ekelte der ganzen Gesellschaft .;.ionntags machte ich stundenlange Ausflge allein in die wunder schne, abwechslungsreiche Gegend und ich erle te diese wunderschne l.a:ndscba.ft. Manehmal begegnete ich einem f:.1.1 teren Frulein, das lli t glied der N .-S .F'rauenschaft warSie war in der Konku:r.renzfirms a:nge stell t. ir vertrugen uns reeht gut und sie lud mich zu sj_ch e:i.n. Stunden verbrachte ich bei diesen wertvollen, menschenscheuen
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-27-stell ten Leh rersfamili e Sie waren beide i n der s ozia.l.-de okratischen Partei gewesen Das grsste rlebnis des Schleifers war ein politischer urs, der von einem berhmten sozialdemokratischen Politiker abgehalten \VUrde. Davon zehrte er nach Jahren noch und er otrahlte, wenn er das versteckte Buch hervorholte, das die Grundlage des urses gebildet hatte und er darin bltterte. Er und seine Frau waren entschiedene Gegner des rutalen neudeutschen Regimes Sie traten weder in die partei oder einer ihrer zahlreichen Untergliederungen ein, noch grssten sie je als mit Hitler". Bei dieser Famili e durfte ich alles und auch sie legten sich kein Blatt vor den : und Die Junc?e Generatj_on '. Nur wonn deren 14jhrige Tocht0r ins Zimmer trat t brach man J.)oli ti ehe G esprche ab fan frchtete, dass das Wdcl in der Schule un schuldig ber das sprechen knnte. Die Kinder wurden i ..... er von den Lehrern ber ihre ausgefraJt. Das Mildchen rar in einem Zwiespalt. Sie teilte die Ansichten n:ilirend sie a 'be r fU.r ihr Leben "'ern im D D .H. mit ihren dinne:a wre, aber die El liesson das nicht zu. Die eisten Eltern sahJn riit Gefhlen zu, dass ihre Kinder f st tglich ihre Freiz.ei t aus.ser Haus in den N'azijuendbfu1den verbrin0en ussten. Das Lernen in der Schule immer u eni.:.;er da fr geb es mehr Unterrict im Turnen. Ich liess mir verschiedene Schul zeigen. Es umfasste immer da3selbe Thema: Hitler und die Verherrlichung oeines Deutschlands. In mein m Betrieb war ein Junge, ei, fJ b rlehrling, der rrJ.r beim Garn:..:.berneh.ncn behilflich war. Er war im..ner freundlich und ich &ah dieden Jun..;en gern. Er war ungefhr 14 Jahre alt und in der H J Eineo Tages der Junse ins KranJcenhaus werden r hatte ei Vunde Fuss, di nie vollte. Der Vater des Kindes var er Fhrer der Albeitsfront und die Brder und die ganze F ilie hatten aus .Protektion (trotzde.n sie Kom::-uniflten ge-.;esen waren) nationalsozialistische wie Betriebsrat etc. Da ich den

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-28-Jungen gerne hatte und ich gelegentli c h in die S tadt des K rankenhause s kam, besu.chte ich ihn und brachte ihm ein Bueh, eine F ussballergeschiobt m1 t Er war sehr glcklich darber und bat mich wiede r zu koo.1en. Nach .. vielen Monaten kam der Jun e in sein -Elternhaus zurck; er hatte Kno-chenfrass eine unheilbare Krankheit. Daa Kind starb und die Eltern wal"t ren gan'Z gebrochen Die Stiefschi.vester des Jungen, eine A:tbei terin, erzhlte mir wie das Kind in den letzten Tage i l!l .e r 1rlii;; der vor:. mir gesprochen htte und dass es sich im Krankenhaus sehr ge ... freut h tte. Das Mdchen, so wie ihre ganze nationalsozialistische 1',amili:? griissten mich seit dem immer voller Hochachtung und verteidigten 'eh wo es ntig war, Oft musste sich der Ort den Vorwurf machen las dass e:r eine JU.din schUtze. Umsomehr musste ich dann den Hass Einzelner, gefhrt vom F"rster, :fhlen. Im trieb ging'ioh oft zu den jugendlichen Nachtschichtarbeitern, brachtet ihnen Bier und Wurst mit und ich setze mich in den ausen zu ihnen. Der Eine erzhlte mir von seinem Familienleben, der andre wollte auf den ganzen Schwindel des D:citten Rei-ches fluchen, als teh ihm m.it einem Zeil '?hen auf eimen dri.tten A:r.bei tskollegen auf'me:rksa,,. machte, der als Sp:t tzol galt. Dieser war immer besonders freundlich. Ich fiirch tete mich vor jedem Gesprch mit ihm, aber ich musste aus ta1 tischen Grnden mit ihm war der Sohn der Leute, denen das Ca.f ehaus gehrte. Oft hnselte er mich mit metn.em .Freund, um herauszubekommen, wie ea zwischen m1s beiden stand Um i.bn abzulenken, ich ihm von einem ;tngen aus meiner IIeimatstadt1 den ich zu heiraten beabsichtige, was n a t rlich nicht wahr war. Tatschlich kam mich einmal ein. Bekan.:nter be suchen und .ich hatte so voxjdern Jungen ein Alibi, der mich .hinfort mit meinem Freund in Ruhe liess. Das Cafe. In dem Caf6 des Ortec verkehrten meist die Angestellten verschiedenen irmen und trafen sich auch Brgersleute; wie die merie, der einarmige Postmeister, der mir imJ.:ier schon 'fon Ferne zurief; ob ich von meiner Mutter oder von jemandem anderen Post erhalten habe, 'G t f '1.i5 r, t:. it f: i: "das nat i onalsozialistische Zahnarztehepaar, das mit ihrem u ochdeutschen

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r 29Sprechen e i n e n bewussten Trennungsstrich z w i s c h e n den anderen und sich machte. Da waren Beamte des Rathauses, die zwar ihrer Stellung be'\lfss t , doch gemUtlich waren tiein Chef kam auch ab und zu. Er tahz:t;e leiden schaftlich gern und brachte Stimmung und Leben mit. Er war voller Tem peramentes und freundl:tcb.en Lebens. so dass er sich allgemeiner Beliebtheit erfreute. L Seine Frau, nie er als Fabriksarbeiterin in U S A. geheiratet hat-te, war der Gegensatz zu ihm, immer ernst und zurckhaltend und die Arbeiter bezeichneten sie als. hochrrrl:i.tig und erkannten sie schon deshalb nicht an; well sie aus ihrelfl ilieu 0ekom"en v1ar l.md selbst eine Arbei"terj.n gewesen ist. Ich erklre ir ihre bertriebene Dj_stanz zu der ds Ortes als eine Unsicherhe1 t in ihr-er Rolle als Fabrikantensgattin .. Sehr wertvoll erschien mir die !!utter meines Chefs, die vornerun und gut zu allen war. Das Ca:f' i;-vu.1dei auch von dem Besitzer. des elektroteohnischen Werk e s besucht. Et ar einer der wenigen Katholiken an.d schimpfte ffent lic 1 auf dns Dritte Reich. rra.n verzieh ih:n wahrscheinlich v1egen seines Reichtu ,,. :te am ,meisten gefi.i:rchtetste Person des Ortes war der Fr ster, nationaloozialistischer Ortsverwalter. Er hasste mich als JUdin u.nd versuchtt; i m1er \'lieder mich hinauszuekeln. Dann war noch als regel mssigcr esuche:r des Cafes ein Radiofachmann zu bezeichnen, der jeden Abend rui t dem Auto :Ln den kleinen O:rt kam. Seine Hauptbeschftigung war dann, alle .Anwesenden, vor allem die li ... rauen, betrunKen zu r.achen. verd..\.ente viel und k:on .lte sich das leisten. Er te dauernd schwein:lsche i i tze und alle fhlten sich sehr wohl in saj.ner Nhe E:r war ein be\llrusstes, gutes iarteimitglied, doch ging er jeden Sonntag in die Kirche. ut mir erhielt er sich ber hhere Kunst und stellte mir sogar einmal naeh. Die Caf?.hausbesitzerin war geschieden und 20 Jahre in Oberbayer n als Kellnerin ttir}gewr sen. 3i '.7ar begeisterte Hi tleranhi"ngerin und ber jeden Gast, der zur re hinausging, hatte sie eine ble Nachrede Aue GeschftsgrUnden zeigte $;ie mir ihren Judenhass nicht. Und auf den "Strmer', der immer auslag, setze sich mein Freund. Es w-.mderte mi c h

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-30-sehr, dass d iese treue Hitleranhngerin einmal zu mir sagte, dass das llli schon ihr vie l wre, nmlich folgendes: Ihr Sohn, der der Hei"!' zer i n uns ::rem Betrieb-e 111ar, war bei er S .s. Dadurch erfuhr sie von rorschiadenen Gesetzen tmd Vo.rschriften, die nur speziell filJr' die S s besti!nmt waren. So war vorgesoh:rieben, wenn ein S S .Mann heiraten wolle er sich nur eine Frau. aussuchen drfe, die eine Grsse in Hhe und Breite haben musste. Es sollte durch Grssenverhltnisse f. sse gezchtet ve:rd.en Ein msse s S .Jungens und : aiden i n zeuger., von edler Gestalt und mit den Mindestma sen! Und so soll te:n. aus Mensphen i t Herz und Sinn Grssenverhl tnisse herumlaufen und D.ls Staffage der Eitelkeit eines ahnsin.ni.gen = Das U'm ar Bonn-und li'eiertagen mal in eiri.e andere Umgebung zu ko, r en, hielt tch fters Autos auf der Landstrasse an, mit der litte, mich ein .3tck u i tzu/tlehmon. war gefhrlich, trotzdem wagte ich o s irt .... er St:imt. 1-iche Ortschaften des Betriebes hatten bereits das Schild angebracl t 'Ju.en unerwiinscht11 Ich war immer auf , wenn .1n.n. an so einem dchild vo:rbeisauste, den.n ein Blick auf' die Tafel htte ein po11.tischcs Gespriich heraufbeschv1ren knnen. Kam doch die 7iede auf die Politik, oo lcn te ab Die meisten Autofahrer erkannten mich nicht alfl Judin un. die es doch taten, waren ausgesprochen lj.ebensw:r dig zu mir. in.mal kam ich in ein grosoes in der ferneren Umgebung van meinem Ort. 0iilhelm Telllt sollte aufgefhrt werden. Ich hatte das Stc k schon of't gesehen und war neugierig, wie es im Dritten Reiche auf die 13'!.ihne gebracht wird. Dieser Wilhelm Tell des Dritten Reiches rrurde mit hochgehobenen Armen und Heilrufen an5efangen. Er sollte unv,rkennbar eine Fhrer-und Defreiergestal t sein, so wie Adolf Hitler als Fhrer und Befreier dem deutschen Vol c ,z;esend.et \'mr de. htte sich gane bano getvundert, h&tte er sehen Jr."nnen, was man aus der herrlichen :b1igur des Wilhelm Tell ge:nacht hatte. Ich sprach mit einer, Frau ber die Auffhrung. Sie me:i.n ta, dieses S t c k sei sehr zeitgemss, aber nicht etwa, weil ie da Tell einen Hitler machen, sondern gerade die Figur Gesslers erinnere sie sehr an

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31 -den Filhrer. Vorallem, weil so wie Stck der Gesslerhut, jetzt jede Hitlerfahne gegrsst werden msse Neudeutsche Hochzeit. Man erzhlte mir von der Hochzeitsfeier 1m Jahre 1935 einer national ozialistischen Fhrerin meiner sddeutschen Kleinstadt. Diese Nazi ... Dame lehnte die kirchliche Hochzeitszeremonie ab, war brigens schon lange aus der Kirche ausgetreten. Die Trauung fand im Kreise Naz1oten statt, nach altge.rmanischem Itn deutschen Eichenwald rief man deutsche Gtter an, Wotan und seine Schar und mit dem SchW-Ur, Hitlers treue Vasallen zu sein, wurde die Ehe besiegelt. Zeitgemsse Unterhaltungen. Ind..em Cafe meines Ortes wurden immer fter Saufgelage abgehalten. Es war ein Zeichen dieser Zeit Mein Freund war ein Anfhrer dieser Gesellschaft. Die Arbeiterschaft sah deshalb einen AbtrUnni gen in ihrem -ehemaligen sozialistischen FUhrer, weil er fast nur noch mit der brgerlichen Jugend verkehrte. Wahrscheinlich hatte er auch etwas Angst und so sinnlos war der Verkehr mit der brgerlichen Jugend nicht Er wirkte in politischer Beziehung erzieherisch au.f sie. Da er ihrer Freundschaft sicher war, rollte er aktuelle Fragen auf, deckte anz sachlich WidersprU che in den Reden Hitlers auf, las den Jungens gen vor oder griff ein Thema aus einem Kinostck oder Buch heraus und brachte vor allem politische Witze, die i n dieser Zeit des Verbotes mehr denn je i m Umlauf waren. Er trank Alkohol und veranlasste auch Andere dazu, er, der einmal ein berzeugter Antialkoholiker gewesen war. Als ich ihm einmal fragte, warum er das tue, sagte er mir ver zweifelt, dass er es i m Dritten Reich nicht anders aushalten knne ohne sich zu betuben und dass er auf einen Krieg warte,. der Erlsung bringen wer de! Er hatte geheiratet, seine Ehe war aber absolut nicht glcklich. War mal ein Ball oder eine andere Festivitt, zu der alle Leute hinstrmten, ging er nicht dorthin, sondern kam zu r und wir

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32-zwei Schicksalsgenossen sassen oft stumm beisammen. Es war blich, dass sich die Kollegen meines Betriebes gegensei tig einluden. Ich selbst f eierte meinen Geburtstag und ladet 1 Le te, An .estellte d Tischgenossen eln. uvAVM Am n.chs ten Tag gab es ann eie.t.l '-' ath .:.i...:..L Der nationalsozialistische Vorsitzende des Ortes wollte die Photoauf nahmen, die an meinem Geburtstag in meinem Zimme r gemacht wurde im nst er" verffentlichen. Ich war verngstigter denn je. Ich ass jetzt in einem Gastzimmer, anschl1essend an den grossen S aal, ganz allein meine Mahlzeiten. Ich ging zgernd in das um niemanden zu begegnen, ass das Mittagessen in 10 Minuten herunter und verschwand w wieder. enn ich auf die Strasse trat, schaute ich mir erst mal die Passanten an, ob ich auch ohne rgernis au.f die Strassen gehen knnte. Maih. Er war ein in diesem gequlten Leben mein alter !eiste i m Betrieb. Nach Gesch ftsschluss kam ich zu mich auf eine Leiter. "Edle Freundin" nannte er mich, ein 70jhriger ':llld ich s prach ihn voll Respekt mit Alter an. Er war 50 Jahre i m Betrieb angestellt, er war ein alter Sozialdemokrat. Wir philosophierten oft ber verschiedene Fragen, wie: Was ist Religion, wozu gibt es berhaupt verschiedene Religio1en, die doch trennend unter den Menschen wirken. Wenn er von den Hitlerparteigenossen s prach, so hatte er fr sie nur ein orti"Lumpenpack". ich liebte er abgttisch. Als mir einmal schlecht war machte er mir ein Lager aus Garnbndeln zurecht und ich liess mich gerne von ihm verwhnen. Wir sprachen alle Zeitereignisse durch und er hoffte doch noch das Ende des brutalen Hitlerregimes zu erleben. E s tat mir wohl mich mit ihm auszusprechen. E r war ein viel wissender Alter. Bei einem Betriebsfest tanzte Chef mit mir, worauf es die anderen auch wagten. Und mein alter Mei ster achte es sich sogar, mit mir eine Extratour tanzen zu dtirfen. So ungern ich der Mittelpunkt einer Gesellschaft bin, wollte ich meinem vterlichen Freunde die Bitte nicht abschlagen. Wahrscheinlich ..

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ollte er auch die Nazis ein enig herausfordern. Ich selbst dachte oft darber ich nicht all der Qulerei i m diesem Orte ein Ende A machen sollte und nach Hause zurckkehren. Viichrieb .nir oft, ich m e he im'-ehren. Auch htte ich da als im Ausland bessere uerufschancen gehabt.Ich sprach darber mit meinem Meister, der, obwohl er Famili hatte, mir seitdem nicht mehr vo n der Seite wich, um mich zu beschtze und trsten. Ich-sprach auch mit meinen irtsleuten darber, die mir rieten, da zu bleiben obwohl sie meinetwegen doch eine Reihe von Un annehmlichkeiten hatten. meinte, ich soll noch arten dann gehen wir beide weg Ich soll ihn jetzt nicht im Stiche lassen. Ich bleiben. Eines Tages meinte er:" as ist ein Jud, was ist ein Christ. Wir sind doch alle .genschen. mich treuherzig r.ii t seinen lieben A\igen ansehend "Ist nicht alles H bug as die Pro agandamaschine sagt? Soll ten V'li r nicht alle zu eine;:n einzi "en Glauben gelangen, zur llenschlich kei t, Gerechtig eit und Liebe. Da verbittert rnan sich gegenseiti d L eben und geht an dem Schnsten vorbei. Gibt es nicht berall schlechte Elemente und sind nicht oft die Verhltniose daran schuld das an anstatt t bse ist? Auf das Grundbel muss man kom.en, um eine neue, gerechtere ins en zu rufen. Du wirst es noch erle oen, ich bin schon zu alt dazu." meinte er . .lir war es wie an einer ge weihten Sttte, als ich den so s prechen h rte. Dann trat er an mich heran und sagte mir, dass ich ihm nher stehe/als seine Frau und inder. Liebe, ohne Alter, ohne Vorurteile, ohne Grenzen empfinde er mi c h "Du hast r noch einmal die Schnheit der elt durch unsere gezeigt. Ich danke Dir dafr." Er gab mir einen Kuss auf die Stirn Ich erin ere mich noch, dass es einen Tag vor H i mmelfahrt i m Jahre 1936 ar. Bei m Nachhausegehen sa' ich einen wundersch n en Son nenuntergang. Inder der alte einen Schlaganfall und starb. Der Betrieb marschierte zur Beerdigung geschlossen a1H'. Hinter einer g rossen marschierte die Belegschaft auf. Ich konnte doch nicht hinter dieser Fahne mitmarschieren. bat mich seine da ich docii z u i nen gehre, mit ihnen zu gehen. Ich ging allei n an das

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-34 -Grab meines alten, unvergesslichen Freundes. S o d und leer erschien mir das{Leben in der Fabrik jetzt. Da trat eines Ta ges ein Mdche n aus der S pulerei auf mich zu, das s sie den alten au h sehr gern gehabt htte und o b wir beide denn nicht jetzt Freundschaft schliessen sollten, da wir doch beide einen Freund verloren htten. Ich fand 1irkli h ein e Freundin an dieser Arbeiterin. Sie wohnte i m Nachbardorf und sie ladete mich oft ein, sie in ihrem H eim zu besuchen. Ich fhlte mich wohl in der Nhe dieses guten, aufrichtigen Mdc hens, das jedes Unrecht ablehnte. Ansichten eines Mdchens vo m Land Auf meinen Spaziergngen; einsam, begegnete ich eines Tage s einem lteren das ganz abgeschieden mit Familie wohnte. Sie war Landarbeiterin, war aber frher bei Juden in grsseren Stdten in Diens t gewesen. Sie zog Stellungen bei Juden anderen Stellen vor, aber w t ihr missfiel sehrr d1e Einbildung der Juden, die sich als das auserwhl-te Volk dnkten. Je mehr ich mich mit ihr unterhielt, desto mehr staun-UJ!-Mt-s te ich, dass hier in der Einde so ein gedeihen konnte. In ihrem Heim lernte ich ihren Bruder kennen, der Steinarbeiter war und ihre Eltern, die eine kleine Landwirtschaft betrieben. Die Zimmer waren stil-und geschmakvoll eingerichtet; ein Nerk dieses Wdchens. Ich traf dieses fter i m Cafe meiner Kleinstadt. Ihre Nichte, die s i e auf0ezogen hatte, war mit einem Juden befreundet und so hatte Jie sehr viel Verst3ndn1s f r !!'eine Lage. Sie sagte oft, wie glcklich sie sei, abgeschieden vo n all dem neuen Treiben zu wohnen und so nicht mitschuldig zu sein an all den Verbrechen. Oft erz:-illl te sie mir vo n ihrem Bruder, der Furchtbs.res i m Krieg mitgemacht hatte. Jetzt verlang e man von ihm, dass er Nationalsozialist werden und sich f r eine neue Vaterlandsverteidigung begeistern msse E r liebte seine Heimat, aber von den Nazis wolle er doch nichts wissen, seiner Ar beit im. Steinbau. / _/ &r Feld, zog das Vienauf und in seiner Freizeit bastele er. Das Mdchen sehnte sich oft in die Stadt zur c k,es war voll und liebte das. Treiben ein:resstadt. Aber unter den jetzigen Verhltnis-

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35-sen zog sie es vor Landwirtschaft zu b e treiben, und voll Stolz zeigte sie mir ein neugeborenes Kalb .t!;inmal sagte sie, wenn Pbel an der Spitze der deutschen Regierung ist, so knnen nur Ausgeburten brutalster Art entstehen. Am meisten hasste sie das Unrecht der Judenverfolgungen und sie ladete mich immer wieder zu sich ein oder besuchte mich i m Caf6, obwohl sie sich der Gefah r .der Ahrempelung durch dte Nazis aussetzte Ich werde ihre Besuche niemals verg emen, ich war ihr stets dankbar daftir. Sie lehnte die militrische Erziehung deshalb ab weil nach ihrer Ansicht, das Militr die Mnner nicht zum selbstndigen Denken erziehe und sie verdumme Ich sollte die Richtigkeit ihrer Ansicht bald an einem Jngling feststellen kr.IJlen, der eingerckt war und auf Urlaub in die Kleinstadt zur ckkehrte. Ich wunderte mich, dass er noch immer unpolitisch..t war, ebenso seine Kameraden. E r schien mir diszipliniert, er sprach kurz und abgehackt und es dauerte JdllX eine gewisse Zeit, bis er wieder r..iliig und natrlich sprach. Dann schlug sein geknsteltes, 71urtickhaltendes Wesen ins Gegenteil um. Er lustig, fidel, in Zivil, soff, lud Mdchen ein, hielt sie frei, ksste sie. ar er vlieder in Uniform, so war er wieder der blindlings gehorchende, ordentliche deutsche Soldat, der sich aber trotzdem vom nationalsozialistischen Treiben fernhielt. Deutsche Feste. In der Kleinstad t war ein Karnevalsfest geplant und viele i m Betriebe baten mich,, fr sie Kostme zu entwerfen. Mir machte diese Arbeit viel Freude und Spass. Die Mdchen unt rhielten sich ausgezeich net i n den vo n der J din entworfenen Kostmen und aueh ich machte :1"1'\-HAv ..,S( ,..J t f f..'-'( i,./l!HiVTE das eine oder andere mal mit. r unerkannt von den anderen, aber bald von meinem Freund herausgefunden. Da meine Textilent,..-w rfo i!!Wer mehr Erfolg hatten, verlangte ich vo m Betriebsleiter Gehaltsaufbesserung. E r war 1n letzter Zeit sehr zudringlich gewesen und bestellte mioh oft nach Geschftsschluss in

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-36-seinen Betriebsraum. Ich knne das meines Gehaltes beziehen; Pc:.:h.ltc .:eh-., seirien wenn ich ihm zu Willen sei. r schreckte nicht einmal davor zurck die Strafen auf sich zu nehmen die auf"Raasenschande" stehen. Ich verzichtete auf die Gehaltserh hung u m diesen Preis und brachte es s ogar bei meinem niederen Gehalt s egar noch fertig Kindern, die ich kannte, klein e F . Katholische Kreise. In letzter Zeit, so hatte ich mich katholischen Fami lien angeschlossen, die ebenfalls verfolgt wurden Eine Bekannte bekam den S trmer regelmssig zu eschickt obwoh l sie auf ihn nicht ab amiert. war. Ungelesen wurde er verbrannt. Sie ging mehr derin je i n die Kirche und war den selben Gehssigkeiten ausgesetzt wie ich, ebenso ihr Tch terchen. Eine andere katholische Familie, die unte r dem B oy kott ungemein litt, bereute es, dass sie nicht 1933 in die Schwei z aus0 ewan dert waren. S i e emprten sich auch dass i n den benachbarten, wie i n allen anderen deutschen Stdten, smtliche katholische Sehwesten aus den Krankenhusern entlassen wurden die aus purer Menschlichkeit dort gearbeitet hatten An Stelle dieser kame n junge, nationalsoziali stische Mdchen it knap p dreimonatiger Ausbildung. Es wurden auch viele rzte entlassen, die weder jdischer Abst roung noch jemals Sozia listen gewesen waren .. [an fhrt allgemein diese Entlassung auf die oc{e s ie sich z.u we. en. katholische Gesinn un g aer Arzte zur1 c k .vich weiss positiv, dass damals in de n Krankenh usern viele Sterbe:t'l_ e zu verzeichnen waren wegen Behandlung durch zu zu jung e rzte. Dao Vertrauen der Bevl die Krankenhuser schw and irkungen des 'St:;rmers." Auch in meinem Orte war ein Schaukasten bestim t, den S t r mer wohi das berlichtigste Or gan des Dritten Reiches, der breiteren Bevl kerung zugnglic h zu achen. E s gesch.....-ah mehr als einmal, dass Leute, die vor dem Schaukasten standen, beschmt weitergingen, enn sie mich

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37-dse e g s kommen sahen. Auch beiAien L Guten, wo ich wohnte verschwand der Strmer, der ihnen aufgezwungen war, regelmssig. ine kleine moralische Auswirkung des Strmers z e i gte sich gelegen tlioh eines Sterbefalles im Orte. Einige Angestellte ixme. ine11 Firma war .en in meinem Raum. Da sagte der eine unwillkrlichl98hristen mssen sterben un d Juden laufen h erum." Ein anderer Kollege, der die sen Ausspruc h wieder gut machen wollte versuchte die Situation durch einen itz zu retten, der aber vlli g misslang. I n der umliegenden Ortschaft Arbeitsdienstlager eingerichtet worden Die Burschen wat=i Mdel:&, d i e beim Bau an der Autobahn beschftigt waren, kamen oft i n mein Dorf ins Cafe. Unter ihnen war a.u
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-38-versuchte auslndische Stationen abzuhorchen, um irgend e t was zu er-fahren, den deutschen traute man schon lange nicht. Pltzlich wurden Fahnen gehisst, die Kirchenglocken gelutet. A lles lief verngstigt zusammen, was ist denn um Himmels willen.geschehen. Selbst die Mnner hatten bleiche Gesichter, machten itze, um ihre Angst zu verbergen und lachten ber sie unbndig. an erfuhr, dass man ein deutsches Land erobert hatte. Das Volk atmete auf, dass es aber gejubelt hatte, das konnte nicht einmal d'e Propaganda eines Herrn Gbbels behaupten. Die Lohn und Gehaltsabzge wurden immer grsser, besonders die Winterhilfe, die Abgabe fr das Eintopfgericht und das gab g enug Anlass zur Unzu friedenheit und Schimpfen. Auch mir wtirde ein Abzug fr die jdische interhilfe gemacht. !oral des Dr itten Reichs. Kinder sollten i n die Welt gesetzt werden, so viel als mglich, das war das erklrte Ideal der Bevlkerungspolitik d e s Dritten Reichs. Ich konnte itjmeinem Kleinstdtchen beobachten, dass es gerade die sten Kreise waren, die die meisten Kinder zur Welt brachten, dass gerade die abgehrmtesten Arbeiterfrauen Jahr fr Jahr ein aby beka men; ich verdchtige die eine oder andere, dass sie es taten, um einen monatlichen Zuschuss von Staatsstellen fr Kinderreichtum zu bekommen. Aber auch die unverheiratete Frau sollte Kinder gebren, damit Nachschu da war fr einen Kinftigen Krieg zur Vermehrung des deutschen Ruhmes und deutscher Macht. Unmoral wurde hochgezchtet. Nur nicht die Leute zum Denken kommen lassen, sie ablenken durch Feste, Uniform anziehen, Fahnen hinausstecken, Saufen und mit Frauen schlafen. Als der Parteitag in Nrnb rg i m Jahre Jf11war, kamen 2000 in meinen kleinen Ort, der so weitab von der Stadt der Parteitage war. lfr mich war das entschieden nicht angenehm die einige Jdin unter dieser Horde zu sein, Ich wagte mich einfach nicht auf die Strasse zu gehen, Betrunkene torkelten in grosser Anzahl herum, sie schrien, johlten, belstigten Frauen und auf dem in die Fabrik wolltte auch anpacken, eine Frau mehr fr diese Gesellschaft. Ich flchteft.in den \al d und war todungl cklich be r dieses moralische Gesicht des neu-

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-39-en Deutschlands. Bei einer befreundeten Arbeiterfamilie, bei der ich a6ollpimmer verkehrte, war eines Tages Hausdurchsuchung durch die Polizei. Man such te nach Antikonzeptionsmitteln!f Es ar den Nazigeistern aufgefallen; dass die Frau nach fnf Jahren nationalsozialistischer, segensreicher Regierung obwohl noch sehr jung, nur ein einziges Kind hatte. Die Frau die nicht auf den und gefallen liess sich nicht einschchtern und gab die gehrigen Antworten. an mge sich geflligst nicht in ihre Familienangelegenheiten einmischen und aie nur soviel Kinder in die elt setzen, wEes der Verdienst des erlaube. Es 1ar sehr ewa g t so zu reen, aber diese Familie war ihrer sozialistischen Gesinnung treu geblieben und lebt abgeschlossen und zurckgezogen vo n all dem unsinnigen nationalsoziliatischen Trubel in ihrem Heim, o sich jederman wohlfhlte. Der liordf all Frarkfurters. Die Zeitungen waren eines Tages voll von dem des deutschen Juden Frankfurthers, de r aul schweizerischem Boden einen Nazi erschossen hat, ein der auch internationales Aufsehen erregt hat. ieviele Juden waren nicht schon von den Nazis ermordet worden! Die Zahl ar Legion. Und diese sicherlich unrichtige Tat eines Verzweifelte sein Protestakt gegen jahrelange, unwrdige Behandlung, wurde aufgebauscht, ausgentzt bis ins Einzelne, wie es nur einem Dr Joseph Jbbels mglich ist. Ich hatte Angst auf die Strasse zu gehen, ala,bb ich selbst die Ta t begangen htte. Am Abend sass ich im Cafe. Eine Bande Betrunkener kam herein, und einer von ihnen schimpfte tiber d t.e mrderische Judenpack. Eine peinliche Stimmung bei den Bekannten war die Reaktion auf dieses Geschimpfe. Viele schauten auf mich, als ob ich selbst den Mord be.gangcn htte. ein Freund war nich t anwesend niemand da, der mir herausgeholfen htte. Einige wenige sahen mich mitleidig an, die meisten t einem sadistischen Ausdruck. ie verachtete ich ihr itleid, wie Hasste ich ihren Sadismus. Ich sprang auf und rannte hinaus in den strmenden R e gen und hrte durch die offenen

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-40 Fens ter das Radio orllen ber ord, Juden und Verbrecher, Ver brecher und Juden. Diese Schlagworte drhnten ir im Ohr und ich ra.:: -te die einsamen Stras en ziellos entlang ins nchtliche Dunkel TodmU de kam ich heim echanisch drehte ich das Gramaphon ,efin meinem Zimmer und legte eine Platte mit dem Hamlet Monolog auf. "Sein oder nicht sein-J.1st die Frage. Da fiel ort ... Sterben:+ Ttelleltoht auch tru men. Sterben, nichts mehr sehen und hren, nichts mehr leiden mssen. Immer mehr sah ich in meinem wunden Inneren Trost in dem Gedanken meinem Leben ein Ende zu bereiten. Ich erstickte fast in meinem Zi'.Ililler. Ich riss das Fenster auf. Da bemerkte ich das Gesicht .einqs Freundes, I zu meinem Fenster hinaufschauend. Er litt doch ebenfalls, dieser Lei-densgenosse der ungerechten Unterdrckung. Ich fhlte die Schicksals verbundenheit zwischen uns beiden und whrend ich so dastand, gewann der Lebenswille wieder Oberhand in mir. ie hatte mein Freund einmal gesagt?"Die Geschehnisse msse man in der Entwicklung sehen und Kmpfer sein und nicht weil irregefhrte Menschen irregefhrt reden. Hatte nicht auch mein alter Meister einmal von :4enschlichkeit und Liebe gesprochen? Schien es nicht als ob alles mit ihm begraben sei oder lebte doch noch i m Herzen der enschen der 'lenschhei tagedanke? Ich tat emnen tiefen Atemzug, es r eine sehr reine Luf t drausse n Ich sank erschpft auf mein Bett und schlief erschpft ein. ein Gc:;burtstag 1938 An meine m Geburtstag kam ich in mein Bro und fand auf meinem S c hreibtisch eine ganze renge Geschenke vor. Da war eine Vase mit Blu men von der nationalsozj.alistischen B rgerin und sechs Topfla,pen, die sie mir gestrickt hatte und dazu noch ein Kuchen. Meine Kolleginnen brachten mir kleine Aufmer ksamkeiten und die Art ihrer kleinen Gesehen '"e war ihrer E i genart en ts1,rechend. Die .A.rbei ter gra tulicrten mir und s irachen die Hoffnung auf ein e bessere Zukunft fr mic h aus. Als ich i n die Gestwirtschaft kam, war ein Tisch aufgebaut i t vilen Geschenken, mit und ratulationskarten. eine irtsleute und die Kollegen die dort wohnten, alle hatten an meinen Geburtstag ge-

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-41-dacht. Da war ein 1 1 rservice von einem Mdchen das eselligkeit liebte, eine Parfumflasche und eine feine Toiletseife vo n dem Dienstmdchen i m Hause, das ich whrend meiner Krankheit so aufopfernd gepflegt hatte. Auf dem Geburtstagstische fand i c h noch ein Buch eine ein Kissen und vor allem Jngling des Hauses hatte mich insgeheim portritiert und bergab mir das Bil d ganz verschmt. Die eine mtterliche Freundin hatte mir ein Kissen gestickt und mit dem bergeben: "Der erste Schritt zur Ausstattungn, und von ihrem ann bekam ich ein Buch das in dieser Ge ,end spielte. Von deren 14jhr1gen Tochter ein gesticktes ozartb1ld. Mit wie viel Liebe wurde ich a yerwhnt und da hatte es eine Nacht gegeben, wo ich nur die eine Seite des Dritten Reiches gesehen hatte und verben wollte Ich schaute mir mit Dankbarkeit all die lieben kleinen Geschenke der Freundschaft und Liebe an und musste weinen. Kndigung 'ein Jeburtstag sollte ohl zu viel Freude gewesen sein in meinem Leben 1 e spter wurde ir von meine m Chef Stellung gekndigt. Trotz allem Schweren und Unertrglichen, das ich auf mich ge no mmen hatte, traf mich d e Kndigung hart. Hatte ich doch neben :Iass auch enschen i m wahrsten Sinne des ortes gefundwn und die sogenannten schnsten Jugendj hre mit viel Liebe und noch ehr Entsagung hier vei bracht. Fnf Jahre Leid und ein wenig Freude, fnf Jahre atten aus einerr vVohl'beh teten Brgersmdchen einen reife.1--e.1-t'tffenschen ge macht voller Kritik und Ironie, infhlung und Ablehnung Doch die Ver hl tniase hatte sich im er mehr zugespitzt und manche dienschen des Dritten Reiches auf den eg der Barbarei gebracht. Nerven hielten dieses Lmer angespannt sein, i n mer Angst haben zu m;.Issen nicht mehr aus und doch h:.itte ich mich kau zu dem Entschluss durchge ungen, von selbst zu k ndigen. Es war die grosse Liebe meines Freundes,die mich hielt und die mir all das ersetzt hatte, ich entbehren musste. Mein Chef hatte sich wiederholt Drohungen der s s anhren mssen wahrsche.nlich auch von den Vertretern der Arbeitsfront. Er brachte es

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... 42-nicht ber sein Herz mir z u kndigen und schrtb m i r einen Brief. Er bestellte mich dann in sein Bro und sagte tut ihm k dass er mir per Ende rz 1938 kndigen msse. "Ich war mehr als zufrieden mit Ihnen ge esen und aus eigenem Antriebe htte ich sie nie entlassen. Dabei schlug er die nieder und sprach weiter. "Ic h habe diesen antisemitischen K u r s der Partei nie verstanden. Ich arbeitete immer gern mit Juden zusammen. Ich allein kann aber nicht gegen den trom schwim men. Gehen Sie fort von Deutschland, vielleicht nach U S A .Sie werden Ihren Jeg machen Und dann berreichte er mir gra hologisches Urteil, das er von meiner Schrift hatte machen lassen m,d das sehr gi..lnstig ausgefallen ist und auf Grund dessen er mich in einem Betrieb hatte. "Das Urteil hat vollkommen gestimmt" meinte er und er reicht 'mir die Hand Ich ging Abschiednehmend von ebstuhl zu ebstuhl noch einmal alle Abteilunen durch. Ich gab jedem einzelnen Arbeiter die Hand. Manche das s ich f r immer weg gehe und dachten, ich begebe ich nur auf eine Erholungsreise."Sie komen j e doc h bald wieder" war ihr Ich kan i n die S pulerei. Da war die verstndnisvolle Arbeiterin, die mir nher als die and ren stand. Sie hatte aus Protest am Tag mei ner Kndigung ebenfalls gekndigt und so v rliesoen beide gemeinsam am selben Tag den Betrieb. Die Familie, bei der ich mich immer wie zu Hause fhlte, sagt e ich mge nicht den genauen Tag meiner Abfahrt nennen, sondern so kommen ie gewhnlich, damit sie das Gefilhl htten, ich komme bald wieder auf. Besuch Das Schli mste 1ar doch der Abschied von dem geliebten Freund. Von jetzt ab wrde jeder einzelne von uns seinen eigenen eg allei n gehen .mssen eine Wirtsleute hatten Trnen im Auge und deren 17jhriges del weinte bitterlich und sagte, sie ve.rlre an mir die beste Freundin. I c h ging nocheinmal Freundin. Ich sagte ihr nicht, dass es d i e Abschiedsstunde sei. Aber sie schien es Wie vieleSandere zu fhlen und erzhlte ir ersten Verschiedenes aus ihrem Leben Mit all diesen Eindrcken ging ich noctjein al an das Grab meines alten

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\. -43dann einmai in den romantisch schnen ald und von der Hhe nahm ich ?Och}einmal das Bild des kleinen Ortes in meinem Herzen auf. Retour ins Elternhaus -April 1938. Zu Hause sassen meine Eltern tglich am Radio bis spt in die Nach1 h inein, als. ob vo n dort die Erlsung kolllJlen WJr e Es waren nur noch wenige jdische Be anntc und Freunde in Clllemnitz Die Meisten waren schon emigriert. er nich t ausgewandert war, sass im Gefngnis oder im Konzentrationslager. Ein Jugendfreund von mir war mit einer Arierin jahrelang befreundet gewesen und er wurde wegen Rassen-schande einge 'perrt. J r sass sein Urteil von einundeinhalbb Jahren ab. Als er ent lassen wurde, verschaffte ihm meine Mutter einen Broposten in einem j disc h e n Betrieb. Er war ausser dem Chef der einzige Jude und seine Kollegen schnitten ihn vllig.Er, der einmal in der E G angestellt ar, empfand dies hart. In diesem Betriebe war ein dchen, das einzige, das mit ihm sprach. Er lud sie i n seine ohnung ein. Darauf wurde er tofort wiede r verhaftet. Spter hat es sich herausgestellt dass das Mdchen tschechoslovakische StaatsbUrgerin gewesen ist, aber da mein Freund es nicht gewusst unterschob man ihm vorstzliche Rassenschande und er wurde zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Ich traf fter seinen Bruder, ich schickte ihm Grsse ins Gefngnis, die er erfreut in seinen Briefen an(den Bruder Vor Ablauf der Jahre Zuchthaus kam sein arischer Freund zu mir, it der Bitte, mich anzunehmen, wenn er aus dem entlassen wird. Naoh Ablauf der Strafe wurde aber mein Jugendfreund nicht enthaftet, sondern in ein Konzentrattonsla.ger gebracht, wo er noch jetzt sein d rfte. Der arische Freund gab dem Brude r dieses ungl cklichen enachen Geld fr eine Fahrkarte nach .ntwerpen. Unter den Be annten, die ich noch von frher her kannte -ich bin je fnf Jahre eg von meiner Vaterstadt gewesen traf ich manc al mit einem arischen Arbeiter zusammen, den ich seinerzeit im Kreise der "Jungsozialisten" kennengelernt hatte. E r war Dreher und arbeitet jetzt in D in einer Flugzeugfabrik. Er ver ientlganz gut und obwohl er noch

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44-uer gegen den Nationalsozialismus eingestellt war, wie ich aus seinen Erzhlungen entnahm, sprach er doch mit Begeisterung von einer K d F Reise (Kraft durch Freude), die er nach Jugoslavien gemacht hatte. Er erzhlte mir, i hn jugoslavische Arbeiter beneidet htten, dass deutsche Arbeiter sich s i eine eise leisten knnen Dann fiel eine andere B e merkung Er erzhwte mir vo n seinem Leben in D von seiner Arbeit, seinen Arbeitskollegen. r erst dort sei der inn des Deutschlandliedes aufgegangen is Von der Mass bis an die Memel" und ehe das nicht alles aeutsch sei, gbe es keine Ruhe ind--er ielt und darin htte Hitler recht, dass alles ieder deutsch .;erden m:sse, was nmal deutsch gewesen sei. Ich hatte ihn auch in frheren Jahren in seiner ohnung besucht. Auch jetzt sah ich wieder die vielen Heiligenbilder, diea--eine utter meh r aus Gewohnheit denn aus rrnuig eit dort ana.en nden hn0en liess.Sie war Sudetendeutsche und schimpfte von Frh bis spt auf r1t1er. Dieser Metallarbeiter schrieb mir 1 1er eine Karte, wenn er nach Che."IlD.itz krun und besuchttmich jedesmal. Ich freute mich ber seine Treue und wir verstanden uns trotz allem recht gut. Er ladete mich bei solchen Gelegenheiten ins Theater, manchmal sogar 1n ein Cafe ein. ohl ich im, 1 c r ngste ausstand, ging ich doch mit 1 aus. [eine einzige Freundin, mit der ich auch die Schule absolvierte, hatte sich politisch sehr aktiv bettigt. 1t ihrem tem peramentvollen esen und ihrem stark j dischen Aussehen sie immer ieder Aufgefallen. Sie )olitische Ttigkeit nich t direkt fortgesetzt, aber eine linksstehende Partei war an sie herangetreten, u m illegales Zeitungsmaterial zu befrdern. Ich wusste davon nichts. Air ist nur ihre schreckliche Nervositt und Unr lihe aufgefallen und sie sprach dauernd Gefngnis und wie es dort wohl aussehen mag. Eines Tages kam ein junger Mann zu i h r und gab sich als Genosse aus. Sie war viel zu schnell Feuer und Flamme fr unbekannte Leute aus der Partei, Aber bei diesem hatte sie sofort ein ablehnendes, unbehagliches Gefhl, fr das sie keine Erkllirung finden k on ntt. E r schimpfte U b ertrieben auf die Nazis und schmeichelte ihr mit "Kleine Jdin", was wohl einem wirk-

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-45-lichen Genossen nie eingefallen wre. Er ging nicht von ihrer Seite, instintiv gab sie nur wenig Auskunft, berhaupt ru.sste sie nicht viel ber die illegalen Organisationen. Pltzlich gab sich der Mann als getreuester Deutscher aus, einer jener zahllosen Helden des Dritten Reiches, die Spitzeln aren. Meine Freundin wurde verhaftet und zu zwei Jahre und sechs onate Zuchthaus verurteilt. Sie war sehr schwach und unterernhrt und verbrachte die gan7.e Zeit iCT Kreise von Verbrecher innen. Nac h der Verurteilung war deren iutter v i e vernichtet. Sie meinte, Zuchthaus, auch aus politischen otiven, sei d ieeutehrendste Strafe, die einem fenschen zustossen knne und sie, die stets fernab vo n allem politischen Leben gestanden war empfand Verurteilung ihrer Tochter ls eine Schande. Unter den sozialistischen Freunden meines Bruders war ein junger Arbeiter, ein Held in seiner Konsequenz und in seinem Idealismus. hatte sich nie den Nazis gebeugt und wurde in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht, wo er viele onate v erbringen mus ste. Am Tage seiner Entlassung kam ihm sein Stiefvater abholen Er war ein treuer Nazi und brachte seinem Sohne s .A.stiefel und Uniform mit. Der Sohn weigerte sich, diese Sachen anzuziehen und s ein Stiefvater wollte ihn daiu zwingen. Dieser heldenhafte junge Jann sagte, ehe er diese Dinger anziehe und sich zu dieser Uniform bekenne, gehe er lieber in das K on zentrationslager -*.rck Er wurde z u lebenslnglichem Konzentrationslager verurteilt und gab seine Braut frei. Hitler'sche ahlen. Gbbels hatte wieder einmal ein Bedrfnis nach elner 1t'ahl oder Volksabstimmung, wobei eine jener wunderlichen Fragen vorgelegt wurde n die man mit "Ja" beantworten musste. Im Jahre 1 933 hite man sich noch lustig gemacht ber Affent heater, das mit jeder ahl oder Abstimmung verbun den war. Jetzt war die breite Masse schon stumpfsinnig geworden und ngstlich vor jeder Kritik, dass man das Lcherliche des Abstimmungspropagandafeldzuges nicht mehr wahrnahm An jedlem Auto, das vorbeisauste, war ein Plakat m i t einem grossen nJa" angebracht worden, in zahllosen Fenstern und auf allen Litfassulen prangte das "Ja". Des

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-46fach ts war dieses g rossartige ort in allen Formen und Farben beleuchtet und es war den Mensche n so in Fleisch und Blut bergegangen, dass sie den eigentlichen Zweck garnicht mehr erfassten und sie es als einen Begriff, als eine scht)ne Dekoration hinnahmen. S i e nahmen dieses Wort hin, wie das gan?.e Hitler:regimet apathisch ohne darber naehzudenken und es fiel ihnen nicht ein, dass ein "Jatt auch ein "Nein" heraucfordern knnte. Gbbels ist ein Meister in der Massensuggestion. Die leidenden Deutschen. Nicht alle Deutschen liessen .sieh von der machen 1 '. }v'"" ffl . Ich will einen Mann scp+.lde:rn einen ii'n j e>nen Deu tschen, die n.icht auf dem Felde lr'l..;. :ra+len wQll ten sopdern als grsseee Hel-. . ."-' den leben, leben in einer Umgebung, wo al: :-"" .t war 1 wo himmel -schreiendes Unrecht sich tglich wiederholte, wo Brutalttt und Grau samkeit herrschte, wo man zu all de m schweigen musste und eich der anderen 1enschen ach: en. Ich will von dem ari schen Lehrer und Abgeordneten sprechen, den ich wegen seines Charakters bevrundert und geliebt hatte. Er war I.ehr.er an einer Mdchenschule gewesen Wie seine Schwcste:r einmal behauptet hatte, war seine ungl-Uckliche Ehe daran schuld, dass er sich im:ner mehr mit .Politik beschftigte. Er war Sozialdemokrat und ii tglied des Stadtrates. Ausser bei Versammlun gen begegnete ich ihm oft i m Theater, t\.1' L\... das ich ein bis zweimal zu besuchen pflegte. E r begleitete mi c h oft nach Hause und wir untq:rhiel ten un noch lange auf der Strasse. ,ir sprachen ber Persnliches, ber Theater und BJ.aher und vo r allem ber Politik. Er hatte nich t die Geringschtzung roli tischen Neulingen gegenber; ein Fehler, den viele seiner Gesinnungsgenossen hatten, man konnte ihn alle Fragen1und wenn sie noch so ungeschickt formuliert waren, vorlegen und er -versuchte sie so einfach als mglich zu beant worten4 Y'ir beide waren trotz des Altersunterschiedes ausgezeichnete Freunde. N"aeh Hitlers Macht b e.r nahme wurde er eingesperrt und verbrachte die Haftzeit gemeinsam mit meinem Vater und hatte gleich Schwere s

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-47-durchzumachen Er verlor seine Stelle a l s Lehrer und wurde pensio-niert. Ich hatte ihn das letzte al vor dem Umsturz gesehen und whrend der Jahre, die ich in Sddeutschland verbrachte, sah Ich erfuhr ihn nur aus den Briefen meine r Mutter, die es mir stets mitteilte, wenn er. bermeinen Eltern zu Besuch geweilt hatte. Nach Jah ren traf ich ihn wieder. Ich erschrak ber den Ernst, der aus diesem geprften Menschen sprach. Viermal eingesperrt gewesen und all dies hatte nicht v ermo c ht, diesen gefestigten Charakter wankend zu machen Er hatte noch kein einziges .Lfal m1 t "Heil Hitler" gegrsst. r lebte jetzt im Gebirge, i n seiner Geburtsstadt und 1am nur alle vier 'ochen nach Chemnitz um sich seine Pension abzuholen. Ich bat ihn, mich stets zu besuchen. Obwohl er sehr verngstigt war und mich einige r. ale fragte, ob niemand anderer in der Wohnung zugegen & kam er jeden zu mir auf ein paar Stunden. Ich wartete einen ganzen Monat nur tt diesen Tag chon in meine r s ddeutschen Kleinstadt war ich ein Nervenb.;ndel, hier, in Chemnitz war ich es noch mehr. Aus purer Nervosit t sprach mein Vater von frh bis abends ber von Tagesereignissen, von und vo m Emigrieren. Ebenso alle verngstigtem Bekann ten, die zu uns zu Besuch kamen Meine Mutter liess keine Radionachrich t aus. D i e Propaganda auslndischer Sender war ihr Lebensinhalt geworden Von F rh bis Mitternac..-1t rurde das Gehrte durchgekaut, ein e -viger Kreislauf vo n Gedanken, a u s dem es keinen Ausweg zu geben schien loh f rchtete mich fast, Neue s z u hren, jede Brutalitt, von der ich hrte setzte sich bildhaft in meiner Phantasie fort. Und nach dem Zeitgeschehen malte man sich die Zukunft nur noch schwrzer aus, als es die Gegenwart schon ar. Mich bedrckte diese ungesunde Stimmung und ich freute mich auf die Stunden mit meinem Lehrer, die ich mit ihm verbringen durfte.Auch er sprach ber Politik, ab e r anders als iche.'zu hren gewohnt war, Jla rer beobachtend, aus dem Geschehen Lehren ziehend. Vor allem schien es f r ihn keine Dauerzustnde zu geben. E r sah die Ereignisse i n der Entwicklung yerz r1eif el te nicht und ich fhlte mich beruhigt '"r in seiner

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-48 Uhe E r eobaohtete alles scharf Ulld noch viele ttber raachungen geben werde Interes ant sei, meinte er, sich das Ergenbia der Wahlen anzuschauen. Die eisten seien i m intelligenten Brgertum zu finden, Diese wandten .sich vo n den sich stets wieder holenden Phrasendreschereien sei auch der Grund w arum die Theater leer wren fa.n konnte auf knstle i.sc:hem. Gebiet nichts neues, zumindest nichts Geschmac kvolles und Gei e1ches bringen. Einmal fragte ich ihn, wie er sich D utsc land vorstellen wrde wenn die Nazis nicht mehr an der racht Gbe es fr all diese Bestialitten eine Rache in der gleichen F ol:l'lI!? Seine Antwort war, die Stln Horden die so vieh;iischer Be.e;tiali tt f..1.ig llrn, rosse man hart egegnen. Dem fehlJ nur eines un. Gerhart Hauptmanns, von der he r rlichen Sprache der Bcher Tho mas Uanns, von Romain Rolland und anderen g Lieblingen der wir unt rhielten uns ber v erbotene Bcher, d i e in eine Versteck ausfindig gemacht hatten. Ich fragte den Lehrer nac:h seinem Privatlebe n S ine verpfuschte E h e kannte ich. Einen Sohn der schwer l ungenleidend ist, hab, ich in Sddeutschland aufg e ucht. D-r zweite S ohn war beim Militr; er wre lieber nach Sdaf ika ausgewand ert, wenn die Erlaub is erhalten htte. Der Lehrtr selbst l eb t e se r zur ckgezogen von der dr:f'tige!l Pension in dem kleinen Geb' rgso t E r arbeite t e an einem W,,...erk .ber Ahnenforschung seines G e burtsortes und dessen Umgebung Es hatte keinen politis..!hen Charakte r und war interessant. E s muss sehr gut gew e s e n sein denn man trat von staatsw g e n an ihn heran und ihm einen Auftrag geben, seine Forschungen in einem grsseren R ahmen zu betreiben, mein Lehrer aber lehnte ab

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( -49-Nordische Tricks. Es herrschte in Deutschland eine unverkennbare Nahrungsmittelknappheit. S o sehr auch das Volk ber die kleine Butterration schimpfte1 so ungehalten man ber den Mangel an Obst und anderen wichtigen Nah rungsmitteln war, so verstanden es die Behrden, diesen Aiestand zu bertnchen. Das geschah auf folgende eise. enn es in Che itz an irgend einem fehlte, sagen wir Schlagsahne, so wurde das mal erst totgeschwiegen. Tauchte dann pltzlich etwas Schlagsahne auf, so wurde das gross angekndig und in den Geschften it grossen Lettern angepriesen. Gleichzeitig aber fehlte irgend ein anderes Lebens ittel, dessen Erscheinen dann wieder gross angekndigt vru.rde und s& der Reihe nach. AU'f diese Weis e war der Bevlkerung der lahrungs'!Ilittel mange l nicht so bewusst. Im Kino Fast in allen Vioohenschauen whrend sechs Jahre ationalsozialisti Herrschaft war de r Hitler zu sehen, oder mindestens seine Minister. Da gab es das Erntefest zu sehen, wo der "Bauernfhrer" zu Bauern sprach, die ihre Trachten wieder hervorgeholt hatten, weil das nun w ieder mal war. Dann sprach "Er" zur Hitlerjugend und man hob einzelne der AlleBblondesten aus seinem Zuhrerkreis heraus und brachte sie in Grossaufnahme. Gbbels sprach bu r das und an sah man rhrende Beschenkungen kleiner Kinder unter einem eihnachtsbaum, arme Frauen wurden mit Suppe beteilt. Eine Frau sagte mir einmal bezeichnenderweise:"Wozu brauchen wir denn eigentlich das es gibt doch keine Arbeitslosen mehr wir knnen das doch i n jede r Zeitung Eine andere ochenschau zeigte den dicken it allen seinen Auszeichnungen,. wie er Ratschlge 'er NahrUi.lg gab, dass nan mit Kartoffelschalen noch eine .Aenge anfangen knne usw Als Affentheater wirkte der zusammengetretene Reichstag. Da stand man gleichzeitig auf, gleichzeitig setzten sich die "Volksvertreter" nieder, erhoben zur selben Zeit die Hand und man rief "Heil" als der Fhrer geendigt hatte, der bestimmt wusste, dass er vo n Gott ge-

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-50send.:?t ist zum Heile des deutschen Volkes. Einmal sprach er am Grab-mahl des unbekannten Soldaten ber Frieden, unmittelbar darauf sah man Scenen, die das uchicksal der Sudetendeutschen zei0en sollten. Andere .ochenschauen brachten Ober-und Unt crflihrer beleuchtet von hinten und vorn, photographisch sehr wirkungsvoll und so wurde der Fhre.rgedanx:e der d utschen eele elngeh:nmert. Gbbels erfasste am besten die Schwchen des Deutschen t : Strammstehen und Militr und er ntzte sie ausgezeichnet aus. Wenn eine Kompanie Soldaten i:n Paradeschritt daher arschierte, hrte rnan entzckte,Ahs((und Ohs im Zuschau-,, Ir erraur n Austreibung aus Deutschland. .> Ich betrieb alles, was mglich ar, um meine Em&gration zu besohle nigsn. Die einzige praktische, erfolgversprechende Mglichkeit.._ war, als Hausgehilfin nach England zu gehen. Eine liebe Bekannte, die bereits in England war, bemhte sich mir einen Posten zu beschaffen. Fieberhaft bereitete ich alles vor, um nur rasch wegfahren zu kn en. ir sassen eines bends im Oktober 1938 bei Tisch, als ein junger f'"ann zu uris kam und erzhlte, dass eine polnisch-jSdische Familie soeben verhafte:t war. Ej_ne qulende Unruhe bemchtigte sich unser. Ich sah durchs Fenster auf die Strasse, sah hellerleuchtete, mchtige Polizeiautos durch die Strasse fahren und fast nur bei Husern haltend, wo Juden wohnten. Es war eine der Austreibungsaktionen von Juden i:n Gang, die damals so grassierten. Um 11 Uhr nachts kam man auch zu uns. Die ganze Familie musste mi t kom.nen wir durften nur ssen fr 24 tunden mitneh en, sonst nichts. Erklrun6en wurden uns keine gegeben. Ein Polizist, der mit mir Mitleid zu haben schien, fra te .ich nach meine Alter und trstete mich, dass, da ich noch jung sei, nichts passteren werde. 'fir wurden in einen grossen Gas thaussaal in der Stadt gef hrt, :ro dicht schon eine Leidens genossen waren. Alle hatten ein verngstigtes, bleiches Gesicht, jeden qulte die Frage, was wohl die Nazibanden mit uns vor hatten. Ein Feldwebel des Heeres hatte die Aufsicht ber uns und er schimpfte andauernd ber die Unruhe, ber den Lrm, der i m Saale herrschte. Das

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-.51war s ohlieasl i c h nioht wunder z u Il}jmen, da auoh viele ver sti t e indcl' anw.eaend waren Meine g nze amilie musste in der a cht e i nen Zettel unterschreiben, d.Eiss ir in.nerhdb vdm 24 Stunden das nd verlassen mussten. ir wuren nBtrlich sehr erre t und hatten n o oh iml!ler kol/ne Ahnung wohi n ms.n uns ei entlieh brinc;en werde -ur blielt. ben die gm ze r acht n o c mit de n zah lreichen .Leidensgenossen zu.ssm-e.rfuh.rt.n. w ri-. mengepfer cht in den viel zu engen Saal und in den Morgenstun4en dass wir abtran s ortiert werden; bei 11uchtversuoh erdu jeder so ort e r s chossen. In groseen oliz eiwagen wu.rden wir zum Bahnhof gefR.hrU. Dort sarmne ten sich rasch .Neugierige an., 1ch habe kel nen Lachen g e sehen, n ieman d hat uns beschimpft. Lange endlose S t unden ldlllre n w i r m.il dem Zug. tir wussten nun es ging nach Fo en, wo wir sicherlich un erwnschte Gtl.ste sein werden obwohl wir polnische ware n i r hatten keine Dokumente bei uns 1 kein Gepbo k nichts au st.:r was w i r am .Leibe anhatten. Es war 1 2 Uhr nac h t s i r mu.sat e n un ait der Gr enz e sein. Eini b e wenige li.e isegefhrten versuchten durch Vitze euf'heiternd zu wirken aber ich fhlte doch d.ie Angst d i e aus allen Reisegefhrten sp1a c h Der Zu hiel t Ji/Jl Nebent;eleise s t and bereits ein anderer Zug mit ebe falls ausgetriebenen Deutschen polnischex t atsa.n ehrigkei t iir mussten ausaeigen. D standen e i ne Unzahl vo n H i t lers schwar zer s s in Gruseln berlief uns Was rer-

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-52d ,.;n sie jtzt nur mit wis beginnen? Wir IDU.$sten uns in. Reiben auf stellen wid neben jeder eibe schritt ein lUl daher. wir wurden angetrieben wie ein .... Horde, schneller, sohniller rie man uns zu. Wir mussten einen endl s lant,en e gehen, eraoh .Pft v on der ..Anest der dieses nicht endenwollenden rsches au der e nach .Polen, angetrieben von mitleidslosen nden. Einigen wenigen war gestattet worde-9-dass sie e i n r'leni g Gepck auf dia ise mitnehmen du.rf'ten. Die meisten von ihnen rnu sten aber das Ge,Pck jetzt auf diesem rech wegwerfen, weil sie einf'ach zu schwach waren, auch noch de Ge:pe.ck zu schlep.,Pen Es itll' stockfinstere aoht. ir h -tan nur das t hna n der Ersahp:t ten und das rohe Schimpfen der Wir me.rachierten 1 er noch auf der unbeka.nuten Strasse einem unbekonnt Ziele zu. hrten ir an dar Spitze des Zu,ea Schreien. ich berliof es kalt. so bedeutet das wiede:I'um? Sptiter erflll..hr ich, da s die Uraten mit ohl en mit ei.ner Eisenrute in einen schlpfrigen assergraben getrieben urde, der anscheinend die Grenze zwischen Deutschland bildete. Auch """c( "1... mussten durch den eisk6ltcn Wassergraben. Anf der anderen Seite ste.nden bereits einige Mn.ner denen es gelangen war den schll!pfri en Grabon zu assieren. Sie reichten uns die Hn de un,d es gel ng ao wie her uszuaiehen. Zwei Kinder sollen in dem Graben er trunken sein. Wir standen nun auf einer .Viese UJJ.afoussten nicht, wo wir waren. Die s s rief uns n och nach, wir mgen ja nicht wagen nooh einmal nach Deutschland. zurckzuk.omrnen, sonst wrde man uns

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-53e infach ereohiessen. Uf' der ieae war ein allgemeines Durcheinander, l4nn.er suchten ihre rauen, Kinder ihre lil tarn und es dauerte ziemlic h lange, bis man sioh in dem DunkeJ..a and. Dann. stapften wir durch die Felder einem Lichte nach, das wir in der erne sahen. Gesprochen wurde wenig, zu sehr lastete Erlebte auf unserer Seele. Wo waren wir eigentlich? aren wir bereits auf pol.nisohem Gebiet und sogar dann wo werden wir wirklich nooh landen? Pltzlich tauchte ein polllischer Grenz beamter auf und sprach mit u.n ol.nisch. Nur wenige verstanden ihn. ir sollten mit ihm kommen, zurck nach Deutschland. in Grauen b urlief uns Als wir uns wei arten Z'\e.iD.en Hund auf uns, schlug mit seinem Gm11Diknttel auf uns ein und beaohimpfte nns.Jleutsche Schweine. Das. war das iderwrtigste f:r mich. Dachte ioh do ch, dass man ber der Grenze bei poln.ischen Beamten auf .Mensohliahkeit und Verstndnis werde. Dieser polnische Beamte zwang wis, die Richtung zurck nach Deutschland zu gehen. 1r berquerten eine Wiese und unsere Phantasie mlte sich die schrecklichsten Bilder aus,was jetzt die Deutsomn mit wis anfangen werden, enn wir in ihre Hnde fallen werden. uf der nderen Seit e der Wiese stand ein daitaaher Grenzbeamter, der uns .natr lic h die Rckkehr naoh Deutsohland verweigerte. 1r standen so die ganze Nacht auf di es er 1ese, aus Deut sahlan d vertrieb an in ol en unerwnscht Die Wiese war neutrales Gebiet, ar Niemandsland. In der Berne hrten wir sch1essen. Den tiefsten indruo k machten auf mich die Kinder, erschpft, mde trnen.los. Ich beobachtete, wie einzelne auf ihre verzweifelnden Eltern

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... 54beruhi end ein 1rk en Die Soh eee; die ir hrte, sollen Schsse auf Vertriebene gewe aen sein, die vo n den Polen nicht ins Land gelassen, gezwungen wu.nlea, deutsches Gebiet zu Ich eelbat konnte nie Authentisches da ber e.rfa.hren. ir atanden cU.e ganze 'Nacht auf' dieser ieee bis zum frhen U.o:r .en. Einige Gtanzbea.mte fhrten uns zu einem Dorf\veiler, a+eseem "'1ngang 1r eine Jlenge anderer Aus etriebener bereits arten ea.hen. Von Ferne &ab. dieser enschenohwarm wie ein aohwarzer. deterer Fleok in der Landschaft f;l.us. Sohiokale sprachen aus den traurigen Au.gen lltl4 das herrschen d e Schweigen ve:rvoll.t ndigten die dtistere Stimmung. Die Gttnzbeam t ten sprachen nur polnisch, ab ohl sie auoh deutsch sprechen konnten. Als e.ll, e Vertriebenen, die man in dieser Ge end zuaammengefan gen hatte, beiaammen aren, wurden 1 r aut einen J3almd.amm ge fiinr t und muf$s ten einen hchst Ka rsch zwischen den Schienen achen. Ich bef1rchtete, dass jeden Augenl>liok ein Zug da.he:rrasen kon nte. te nicht, in welche Richtung wir gi.ngen. ob land eim rte no.ch Polen oder ob die polniohen Beamten doch beschlossen hatten, uns wieder den liazis auszuliefern, 1r, di wir doch tormelt polnische, Staatabi ... erger waren. llach einer :Biegung des Bahndammes wir pl,zlich wied r die gefrchteten achwarzen Uniformen der s.s. Nun war wohl jed r ZWetfel behoben, wohin wir gebracht orden waren. Wir waren unmiseverstndlioh aul :Soden Sollte unsere Q.u.lerei nie ttin En.dG ne en? Die s s ber nahm uns und wied e r mareehierten wir e inem unbekannten Ziel entgegen Einige Ueber ngetlic.he brachten den traurigen Mut aut, s s Leue zu fragen, was denn nun mit uns geeohehen Wilrde. Die prompte

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-55-Antwort war: "Eraohieeaen. in anderer meinte.Ihr kommt in ein Lager. Raach einer de 6.nderen die Sohreckenbotachaften zu. Erat ertnte ein Haltekomi.ando, dann mua,en wir umkehren und deneelben eg retour. Dann fhrte man uns auf eine anaohei nen noch immer deutsches Gebiet. Kinder lachten und hhnten una die wir mde. mit nassen Faaen und lfotbechmutz\ Sohrit' !r Schritt weitergingen. Wir trauten unseren Augen kaua, als wir auf einmal ein polnische Grelihuohen aahen. ir wurden noch bis dort Ton der s s gebracht, die uns verlieae und eich sofort zurckzog. Diellm&l i1Urden wir von einem eehr h fliche n polniaohen Grenz'br tem bemonmen, polni e h Kinder brachten una asser und mit unser letzten Kratt gelang es uns. una in ein Oertchen zu ir wur den in ein Haue gebracht. to achon allee auf unser vorberei tet war. Jlan brachte uns zu eusen und zu trin1cen und diG e Teilnahme 1ar Balea.m. uf uneere bedrt.i.ckten Gerauter. lueret viar e n wir ganz apat ie1..:h und nur langsam trat das Uebere te..ndene hinter de. 1 Neuen zurck. Ich war schon fter im Ausl. nd ewesen mit iesensdrane; er fllt a ber jetzt ein lie1 z b esono.Eets get'fnet f:lr 1-ieues, Gutes. Ich etra.t ein n La e n wn veriachiedene Reinigungaudttel. ie Seife und vchu ug zu kaufen. Z \iei Ar eiter emprten aioh ber uns zugetane Unrecht. der eine machte seinem Herzen durch Loewettern auf die Hitlerbarbaren Luft, der andere, ein Mann weinte ao ar. Ich war tiefer grif .1 en M'.1 tgef'hl zu finden. A"'Tl Abend gaben uns hilfober ite Menschen Q.uartier und -wenigo verlangten eine Entsohd.1-, gung von uns.

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-56-Jlafn ohsten orgen wurd e n wir ins Land esinnere ebracht. Auf u Get""i:iri..k.e L vielen Bahnstationen wurden uns ..i91fi1autmhg'lrn gere1orrt anche der Leut die uns rfrisohungen inten. irfa l st kei-n r Tr: en mehr f hig; das Schioksa.l a.nder r k ann ein m ehxzu Tr ... nen rhren ale s in Eigenea oder vielleicht war uns uo! die Tragik schon zur Ge oh.nhe1 t ge orden. ir auf der Fahrt ins In-. 1ere Pol n aren eine Gemeinschaft ge verbunden durch einsam tee Unrecht. Die Hiltebe.reitscha.ft in den BahDhfen trstete. Ein religiser a.nn kam in ein Abteil und lae aue der Bi el. vor. Uns trstete ea und ich gewann ieder meinen Glauben a.n die en o en. Ich wurdenil meiner F ilie in Lemberg untergebracht, wo wir ein en t b e llrangsreic ies Emigrantenleben gef t ha en. A.ut Durohreise wieder in Deutschland. Endlich bekam ich 1939 ein engliscnes Haue ehilf innenermi t, auf Grund dessen mir vom deutschen Konsulat ein vierwch.81 t licher Aut.---enthalt in Deutschland b illigt urde. So fuhr ich zu-ri.Jck hoh Deutacb.landt; an der Grenze zuckte ich vor .Angst zusa.r. en / a1s ich die erste Unifor sah. le Beamten behandelten w.ioh s h r hflich und in Baum der Gepcksrevision bo mir ein Unttor mierter einen Stuhl an. Nach der Gepokerev1eion wu d1.; ich von einer Frau einer Leibesvisitation en und naQbdem man den Grund meiner Reise genau geprft hatte und Aktenve dari ber machte, kon n t e ich meine Reiee ungestrt fortsetzen. vielen onaten sah i ren und worin ich mei ne Jugend verbracht hatt Unse e ohnung war

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nach unserer Abreise amtlich versiegelt worden. Ein Polizist ffne te iaht ein einziger Gagen t;and in der grossen / oilnung. Ein unangenehmer national.soziali tiso r Hauaver alter wurde nach un er er Aoreiae von d en Behrde eingea tz & der einen Vater, der auch der Hausei entiimer war, sein i ga11tum prellen ollte. E r schrieo uns ge fjin Br!ef' e nach Polen und von m einem Vater mit allen Tricks desaen JU.nvere t ndnis a.ben, dass eras ihn-r war es unangenehm mit diesem ensohen zu tun zu ben. Auf uns r m Haus lasteten eini e ffypotheken. :Nach dem ied bruch des Gesch..f tes Vat re kon nten .ehr die ruher ar im Hinterhaus ein J disches Be tha.us ein erichte t, das an den Poaromtagen 1 :November 1 939,wie so vi le,von azihorden a.ngezilndet rde und der grosae Saal brannte vollkou en '""US. S o Fielen inilial :liru ahi en weg, aus denen ein Teil der ltY:Pothe kenzinsen b stritten wurd e Ee gab viele Inter senten, ihe sich 1 Vorderhaus einmieten wollten, aber dall hintertrie der Hauaverwalter, um das Hau flr tinen geringen Prei erwer en zu knnen. r legte mir einen P l n fix und fertig vor, mit einem l ieb rliohen ger1n en Kaufkreis, der gerade so hoch war, um die l{Ypotheken z eier arischer utleute decken zu knn en. Juden, meinte de:r;-Hausve alter, ssten eben auf die Rr..tc kzahlung der H;ypotheJen verzichten. Zur Durchtuhrung der Kaufaktion war aber die Unterschrift ines Auslande lebenden juden, ein Hypothekeng1: ubig r notw ndig; von ir wollte der Hausverwalter, ich m ge die Un-

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-58-terschrift dieses j dischen iger bei ri n Der Hauaverwa.lter dro ir, we n ioh die Untersahr1 t nicht beibringen erde. er nicht die rle.ubnis rtetlen werde. atle ich "'inriohtun egege11 s t 1de aus d4U' W o ung schaff'en drfe. 1 hatten i 1 ei.hin noch in der ohnung betrchtliche -rte wie Silber, Teppiche und Aehnli ebes deren Verkaufserls uns als eine R ttung erschienen wre. Die ohnung auf den N en :ineiner und auf neinen Namen ein etr en und Jas Vorg e hen Hs.uaverwaltere ar klar gegen die r oh' lichen Be :isen. Ich ging zu vielen Bhrden, oga.r bis zur Kreiehau:ptmannecha.ft, o man mir unerhrt nett 'bag gnete und man mir d n Rat gab, da.se iah erichtlio gegen d n usverwalter vor ellen m.gei" loh f "'rchte te t den Hase des Hausve altere .uf uns zu lenken und berdies hatt i je. a .aoh kei,ne Zeit einen l ngwierigen Zi 11prozess zu f'lhren. Der :ftausver .s.lter liess brigens e"nen Vex'Wandten, der w1s verschiedene Kleidungsa t uck ... a.us der ohung nach Polen nachschic en tollte, mit der e rUrduns verliten, er htte verbote-neo russischen dioe ndll.Il en gela.u.scht Mein Verv and er, der zur 4,iut'..I" Ze ..Lt der Hau.edurohauchung nie t nn eaend va.r, erf _r vn Mtit u..vid v rechwe.nd von der Bildflche. Ich holt mi 1 t bei ein_ ; Jw.disc :-i ol t ... a.nv!E.t, aas zu tun sei. In n stliohe Zurckhaltung 011.e e:r r zu rst ilbe rhau:pt kei nen R t e en, m inte e.b r schlies lieh, d;;.. ... e ic'.i. "acr4dem Gesetzte 1 .echte bin und daee ich die Hilfe des polnischen be-antre.gen II!g e Im Thneulat erkl'"rte mir, me.n knnf: mir e ;x:-s t dann

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beistehen, wenn ich m inen Jall gerich,lich geltend ehe. loh sah die Aussichtsloei eit meines Vorg hens bei der Beschrn theit der ir zur Verfvgung stehenden Zeit ein und bat den Hausverwalter dass ier aein Einverstndnis gebe, ein Inventar aller in der \l olmung be find.liehen Gegena t de f r die De"O'isenzen trale auf nennen zu drfen, it'fder Zwiec an.zeit werde ich mich um die Unterschrift des Jtypothe-engl u1.>iger6 bemhen. Gn.dig ab er sein Einveretandnis. Ich musste eine eng iner r-1ertv llen .Bcher der s . a 11 .... tern, aber ini 'jbri-en war man an ea.mtenstellen sehr end und ich hatte das Gef. ... .n1, als eo l-' t n sie eich ad wollten etuaa gutmac en. aoh zwei oclcn kam meine Kutter, die das Liquidier n neiter in die Hand nflhm Deutec e Mentalitt. i n i e Tag e vor meinwJ.fbreise traf ich einen alten ]'reund aut der ir freuten uns un emein Joer une r iederse en. aa lag nicht r:llee z lachen una. Das exste al hatten vi1' una i.n inem Zeichen ur in dc1 Vollcshocnschula getro fen. Das wa.rvor i Jahren g ew een. r 1ar jetzt un efdh1: 55 Jahre alt, von Beruf Buchdrucker. E r ladete mich i n s ine o Wlg in. Als ich mich auf einem Gemlde erkannte, ersc rak ich a.st r hatte ich '1fie er mich in ErimLerw1g h te ..... r stellte mich als J' .... din dar, einen L uohter in der Hand Die rotgestreifte Bluse hob eine orientalische Note in dem Gm ld Das Geeicht war tot nblaas und as igentfu.:lliche waren die Augen Z1ei ecll'la1ze, tiefli \eitaufgeriesene Au_;en, die &llea zus an schienen, alles Leid in sich auf enor!ll en t en und

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-6 voller S P.el.e und ,1undbeit. san f t und fragend dreinse a.atcm. So hatte er mich u n d so he.tte er mi:t h geliebt, de.s .se.gte e r mil" jetzt nach lOjhrlger B ekannteche..ft. E r \ar Mitglied der S A P gewesen und he.tte eioh auch na.o h 1iltlere rlaobtel't,;;r&ifung weiter a ktiv poli tiach et'tigt. l-ian kam ibm auf die Spur 'lt wurd im Ja.bli'e 1934 zu drei Jahren verurteilt, die er in einem Moorlager.an der 'fa.serkante yerbringen muoa te. E s hatte alle Anatrengung.en ;seiner V rvJandten b e du:t"ft, da.es er nach Ab bLrasung Zuchthausstrafe. nicht in ein Itonzentra.tionalase r g e b ra.cht V1tlleicht hatte mM auf' sein Kin : kstcht genommen, d .s jetzt bald drei Jahre alt war, geboren, vJhrend der ""Te.tel' seine Zuohthau&stra.te begann Wld das der Vater noch nie geeehen h t t e Ich fragte ihn, wie diese drei lahre Z uohthau.s gewesen s ien. E r meinte, fr sein .Angehri8 gen waren eie eieherlic;h flChlim.mer. r;c hat h e ee ale ein ha.r tes Er lebnis hingenomen und in seiner knstlerisch en Seel e erarbeite,, aber seine J.tutter hab ?:rerv enz.usa.mmen b :ruoh erlitl.en und aohimp fe noch heute den ganzen Ta g auf die Hitlerbande. E r sprach von sei ner Liebe zu mir und ale, ich ibm nach de l Ver.hltnis zu seiner Frau fras te, meinte er seine Eh e ia t auf eine treunda.ohaf tliohe asie a.uf,...,gebaut und sei eine gute. E r f'ragt e mi ch, warum ich n1cb.t gh e ratet htte, dass ioh doch achon l ngst in dem Alter sei {als ob dae Alt e r etwas damit zu tun ha'be ) Ich erz.hlte ihm vo m Schicksal. einiger meiner e m i grierten Freunde, dass der eine :He.eh Aus tra.lien, andere l'ach Neueeeland,. manche nach Bord-und Samerika aus/gewandert sind.E r wunderte eich, dass

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Menschen ihr Heim atland verlassen knnen rum e.i.oh eo f wmc ab anzueie d Lln. Und al das Gesprch auf die drohJnde iego efahr kam, die im a Volkca \.ar, oa tc er, r zit ere vor dem Krieg weil er a.ls :politiach dae Schl :lllWto zu baer weise, wann uir un$ wi '"'dl:!r eeher.i.. sag te er pl tz -lieh vielleicht; ers bis vdr alt und rau -:-e\1orden sind. n o b ohl d s wohl Sp atiD sein sollte. sprach er en webmAtig aua, eiqonialis tiacher leutacher B u .I"ger, obwohl er das isik o eines il.legal en Arbeitens auf eich genom nen hatte, an ein Aenderung dea bestehenden 1'.egimet;$ t.rs t n cl' Je.W:z hn ten lauoan konnte. Eo war owa t dass :lr im Dunkeln spazieren gin en; ioll f'ul lto pltzl eh, dass ich mich von dieee1 .fu.nne trennen lAsse, dass uncere .1e g e an ere a ind. Bin aut:richtit;ser Deutacher, ::1.., m.r r 1 tz en '1.1a e mcinoa Aut'enthavtes in Deutschland b1 M r1z 1 9 3 9 ic1 mlt l incl' ut. r in unserer lw.lbger ten e..ass. E s klopi' e .rti.a.nn n "'\..,r u1 d vcrlan, te Einlass tfier Bcgri ndtmg, I lu G g -h0xt, "'ir :; ten c)" l zu n Er so.h ei eh vo.rt3i<.!llt i& und scheu 'l und ic hatte sofort d1e Uc b erzeugu.ng dacti belk uf nicht de ta .e Grund sein n Konvell iet. E r fragte, ob noch j e11 i.nd uss r w o in der ohnung an 1esond :as dr vernein to1 Keine utter kannte ihn, r EU' illleifal1r -ndl r in c...er llachb rocha:i:. E1 galt als Deutochna.tionaler und war ung f1il1.r 5 0 J' e alt. r sac. t e das id er t einer t. c zu uns geko 1 ,en ee i. E r habe

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I ir ins Au?li;md fe.hl"!

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